Welpen aus dem Auslandstierschutz
Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Eine gute Sache mit Fallstricken
Jedes Jahr kommen Zehntausende Hunde aus Rumänien, Spanien, Griechenland, Bulgarien und Ungarn nach Deutschland. Viele davon über Vereine, die seit Jahren sauber arbeiten: mit Vorkontrolle, Schutzvertrag, vollständigen Papieren und einer Pflegestelle, die den Hund kennt.
Daneben gibt es Vereine, die es gut meinen und schlecht machen. Und es gibt Händler, die sich als Tierschutz ausgeben.
Für dich als Interessent heißt das: Die Frage ist nicht, ob Auslandstierschutz grundsätzlich richtig oder falsch ist. Die Frage ist, wen du vor dir hast und was du über den konkreten Hund weißt.
Auf einem Blick
- ein Welpe aus dem EU-Ausland ist bei der Einreise mindestens 15 Wochen alt
- ein seriöser Verein macht eine Vorkontrolle und stellt Fragen
- Schutzvertrag statt Kaufvertrag – mit Rückgaberecht an den Verein
- auf Mittelmeerkrankheiten testen lassen, aber zum richtigen Zeitpunkt
- ein Test bei der Ankunft ist wenig aussagekräftig – erst nach Monaten
- für Ersthundehalter ist oft ein erwachsener Hund die bessere Wahl
Die Alterssperre gilt auch hier
Das Wichtigste vorweg, weil es die meisten Angebote aussortiert.
Ein Welpe kann frühestens mit zwölf Wochen wirksam gegen Tollwut geimpft werden, danach müssen 21 Tage vergehen, bis der Schutz greift. Erst dann darf er innerhalb der EU einreisen. Ein Welpe aus dem Ausland ist also bei der Ankunft mindestens 15 Wochen alt – rund dreieinhalb Monate.
Wer dir einen acht oder zehn Wochen alten Welpen aus Rumänien anbietet, handelt illegal. Auch dann, wenn ein Verein dahintersteht und die Geschichte rührend ist. Mehr dazu in Illegaler Welpenhandel.
Woran du einen seriösen Verein erkennst
Er fragt dich aus. Wohnsituation, Arbeitszeiten, Erfahrung, andere Tiere, Kinder, Urlaubsplanung. Ein Verein, der einen Hund ohne Fragen abgibt, hat kein Interesse am Hund.
Er macht eine Vorkontrolle. Jemand kommt vorbei und schaut sich an, wo der Hund leben soll. Bei seriösen Vereinen ist das Standard, nicht die Ausnahme.
Er kennt den Hund. Der Hund lebt auf einer Pflegestelle oder wird von jemandem betreut, der konkret beschreiben kann, wie er sich verhält: an der Leine, mit Kindern, mit anderen Hunden, im Haus, nachts. „Er ist total lieb“ ist keine Beschreibung.
Er hat die Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz. Wer Tiere gewerbs- oder berufsmäßig vermittelt, braucht diese behördliche Erlaubnis. Frag danach und lass sie dir zeigen.
Er arbeitet mit einem Schutzvertrag. Das ist kein Kaufvertrag: Das Eigentum am Hund bleibt beim Verein, du bekommst Besitz und Verantwortung. Dazu gehört eine Rücknahmepflicht – falls es nicht passt, geht der Hund zurück zum Verein und nicht ins nächste Tierheim.
Er nennt die Schutzgebühr offen und begründet sie. Üblich sind 300 bis 500 Euro; sie decken Impfungen, Kastration, Chip, Tests und Transport. Bar auf die Hand ohne Beleg ist ein Ausschlusskriterium.
Er drängt nicht. Kein „nur noch heute“, kein „sonst wird er eingeschläfert“. Zeitdruck ist eine Verkaufstechnik.
Was dagegen spricht, wenn …
- … der Hund ohne Vorkontrolle vermittelt wird.
- … die Übergabe auf einem Parkplatz an der Autobahn stattfindet und du danach niemanden mehr erreichst.
- … der Verein keine feste Adresse in Deutschland hat.
- … er mehrere Welpen gleichzeitig anbietet, alle fotogen, alle sofort verfügbar.
- … der Transport über einen „Flugpaten“ läuft, der den Hund als Privatgepäck mitnimmt. Das ist ein bekannter Weg, die gewerblichen Einfuhrvorschriften zu umgehen – ein seriöser Verein meldet seine Transporte ordentlich an.

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Die Mittelmeerkrankheiten
Das ist der medizinische Kern des Themas, und hier wird am häufigsten falsch beraten.
Worum es geht. In Südeuropa und Südosteuropa kommen Erreger vor, die es in Deutschland kaum gibt und die von Mücken und Zecken übertragen werden:
- Leishmaniose – übertragen von Sandmücken. Die bekannteste und unangenehmste: nicht heilbar, lebenslang behandlungsbedürftig, kann erst Jahre nach der Infektion ausbrechen.
- Ehrlichiose und Anaplasmose – übertragen von Zecken.
- Babesiose – „Hundemalaria“, zerstört rote Blutkörperchen.
- Dirofilariose – der Herzwurm, übertragen von Stechmücken.
- Hepatozoonose – wird durch das Verschlucken einer Zecke übertragen.
Der Punkt, den fast alle übersehen: Die üblichen Tests weisen Antikörper nach. Die bildet der Körper aber erst Wochen bis Monate nach der Ansteckung. Ein Hund, der sich zwei Wochen vor der Ausreise infiziert hat, ist bei der Ankunft negativ – und hat die Krankheit trotzdem.
Daraus folgt die Empfehlung, die in kaum einem Vermittlungsgespräch fällt:
Lass den Mittelmeer-Check wiederholen, frühestens sechs Monate nach der Einreise. Ein negatives Ergebnis beim Verein ist eine Momentaufnahme, kein Freibrief.
Sag deinem Tierarzt beim ersten Termin, woher der Hund stammt. Viele Mittelmeerkrankheiten sehen anfangs aus wie etwas Harmloses – Mattigkeit, Gewichtsverlust, Nasenbluten, schuppige Haut, Lahmheit –, und ohne den Hinweis auf die Herkunft wird in eine andere Richtung gesucht.
Was ein Welpe aus dem Ausland mitbringt
Neben dem Medizinischen gibt es das Verhaltensthema, und es wird gern beschönigt.
Ein Welpe, der seine ersten Monate in einem Auslandstierheim, auf der Straße oder in einem Zwinger verbracht hat, hat in der entscheidenden Zeit vieles nicht kennengelernt: Treppen, glatte Böden, Türen, Staubsauger, Autos, Straßenlärm, fremde Menschen im Wohnzimmer. Was in den Wochen vier bis sechzehn nicht vorkommt, ist später eine echte Aufgabe – siehe Prägephase und Sozialisierung.
Das ist kein Grund, es zu lassen. Es ist ein Grund, es zu wissen. Rechne mit:
- Stubenreinheit dauert länger, vor allem bei Hunden aus Zwingerhaltung.
- Der Hund ist anfangs überfordert. Erste Wochen ohne Programm, ohne Besuch, ohne Hundewiese.
- Flucht ist ein reales Risiko. Sicherheitsgeschirr mit drei Verschlüssen, Doppelsicherung, und die ersten Wochen konsequent angeleint. Hunde aus dem Auslandstierschutz büxen in den ersten Tagen überdurchschnittlich oft aus.
- Der Chip muss registriert sein. Eine Chipnummer ohne Eintrag bei TASSO oder FINDEFIX nützt im Ernstfall nichts, siehe Welpen chippen und registrieren.
Der ehrliche Rat für Ersthundehalter
Wenn du zum ersten Mal einen Hund aufnimmst und dich für den Auslandstierschutz interessierst, ist der erwachsene Hund oft die bessere Wahl als der Welpe.
Das klingt zunächst widersinnig, hat aber einen einfachen Grund: Bei einem erwachsenen Hund auf einer Pflegestelle in Deutschland weißt du, was du bekommst. Größe, Charakter, Verträglichkeit, Umgang mit Kindern – alles beobachtbar. Bei einem Welpen aus dem Ausland weißt du weder, wie groß er wird, noch welche Anlagen er mitbringt, noch was in den ersten Wochen passiert ist.
Ein Welpe ist nicht der leichtere Einstieg. Er ist nur der unbekanntere.
Wer den Vergleich zum deutschen Tierheim sucht, findet ihn in Welpen aus dem Tierheim.
Die Papiere, die vorliegen müssen
- EU-Heimtierausweis mit Chipnummer, Tollwutimpfung (frühestens ab zwölf Wochen) und den Daten des impfenden Tierarztes
- Chip, der mit der Nummer im Ausweis übereinstimmt – vor Ort auslesen lassen
- Gesundheitszeugnis und die Bescheinigung über die Anmeldung des Transports
- Testergebnisse zu den Mittelmeerkrankheiten, mit Datum
- Schutzvertrag mit Rücknahmepflicht
Wenn eines davon fehlt, ist das kein Formfehler, sondern ein Grund, die Sache zu lassen.
Zusammenfassung
Auslandstierschutz kann gut und richtig sein – es kommt darauf an, wer vermittelt. Ein seriöser Verein fragt dich aus, macht eine Vorkontrolle, kennt den Hund aus einer Pflegestelle, arbeitet mit Schutzvertrag und Rücknahmepflicht und hat die Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz. Ein Welpe aus dem EU-Ausland ist bei der Ankunft mindestens 15 Wochen alt; alles darunter ist illegal. Medizinisch entscheidend sind die Mittelmeerkrankheiten – und dabei vor allem der Zeitpunkt des Tests: Ein negatives Ergebnis bei der Einreise sagt wenig, weil Antikörper erst nach Wochen bis Monaten nachweisbar sind. Wiederhole den Check frühestens ein halbes Jahr später. Und wenn es dein erster Hund ist: Ein erwachsener Hund von einer deutschen Pflegestelle ist meist die bessere Wahl, weil du bei ihm weißt, was du bekommst.



