welpenknigge.de

StartGesundheit

Hitzschlag beim Welpen: Was wirklich hilft – und was nicht

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Hitzschlag beim Welpen
Wasser ist das wirksamste Mittel gegen Überhitzung – aber kaltes, nicht eiskaltes

Der Ratschlag, der am häufigsten falsch ist

In fast jedem Ratgeber steht: nasse Handtücher auflegen.

Untersuchungen zeigen, dass nasse Handtücher zu den am wenigsten wirksamen Kühlmethoden gehören. Ein aufgelegtes Tuch erwärmt sich binnen Sekunden auf Körpertemperatur und wirkt danach wie eine Isolierschicht – es hält die Hitze fest, statt sie abzugeben.

Ein Hitzschlag ist kein Unwohlsein, sondern ein Notfall mit einer Sterblichkeit von etwa 14 Prozent. Jeder siebte betroffene Hund stirbt. Was in den ersten Minuten passiert, entscheidet mit.

Auf einem Blick

Woran du ihn erkennst

Die Anzeichen kommen in Stufen, und die erste ist leicht zu übersehen.

Beginnend: hektisches, tiefes Hecheln, das nicht aufhört. Unruhe, Suchen nach kühlem Untergrund. Sehr rote Zunge und Maulschleimhaut, viel dünner Speichel.

Deutlich: Taumeln, Schwäche in der Hinterhand, glasiger Blick. Erbrechen, manchmal Durchfall. Das Hecheln wird flach und schnell.

Kritisch: Zusammenbrechen, Krämpfe, Bewusstlosigkeit. Die Schleimhäute werden blass oder bläulich.

Wichtig: Ein Hund im Hitzschlag hechelt irgendwann weniger, nicht mehr. Wer darin eine Besserung sieht, verliert Zeit.

Die normale Körpertemperatur liegt bei 38 bis 39 °C. Ab etwa 40 °C wird es kritisch, ab 41 °C beginnen Organschäden.

Was du in den ersten Minuten tust

1. Aus der Hitze heraus. Schatten, kühler Raum, Luftzug.

2. Kühlen – sofort und großzügig. Bei einem jungen, ansonsten gesunden Hund ist das Eintauchen in kaltes Wasser die wirksamste Methode: Wanne, Bottich, See, Gartenteich. Geht das nicht, den Hund mit kaltem Wasser übergießen und für Luftbewegung sorgen – Ventilator, offenes Fenster, Fächeln.

Bei älteren oder vorerkrankten Hunden ist die Verdunstungskühlung schonender: nass machen und Luft bewegen.

Kein Eiswasser. Schockkaltes Wasser lässt die Blutgefäße in der Haut eng werden. Damit blockiert man genau den Weg, über den die Wärme aus dem Körperkern abfließen soll – und verschlechtert den Kreislauf zusätzlich.

3. Kühlen, bevor du losfährst. Die aktuelle Empfehlung der Notfallmediziner lautet ausdrücklich: erst kühlen, dann transportieren. Ein Auto im Sommer ist der falsche Ort, um damit anzufangen.

4. Wasser anbieten, wenn der Hund selbstständig schlucken kann. Nie einflößen – das kann in die Lunge laufen.

5. Bei 39 bis 40 °C aufhören. Wer weiterkühlt, riskiert eine Unterkühlung.

6. In die Praxis, auch wenn es besser aussieht. Die gefährlichen Folgen – Gerinnungsstörungen, Nierenschäden, Schäden am Darm – zeigen sich oft erst Stunden später.

Warum Welpen schneller betroffen sind

Ein Welpe hat im Verhältnis zum Gewicht eine größere Körperoberfläche und nimmt dadurch schneller Wärme auf. Seine Temperaturregelung ist noch nicht eingespielt, und – das ist der entscheidende Punkt – er hört nicht von selbst auf. Ein erwachsener Hund legt sich irgendwann in den Schatten. Ein Welpe spielt weiter, bis er umkippt.

Deshalb ist bei jungen Hunden die Aufsicht wichtiger als jede Regel: Pausen vorgeben, nicht abwarten, bis er sie nimmt.

Die Situationen, in denen es passiert

Das Auto. Der Klassiker, und er bleibt es. Bei 20 °C Außentemperatur sind es im Innenraum nach einer halben Stunde über 45 °C – auch im Schatten, auch mit gekipptem Fenster. Dazu ausführlich unter Welpen im Auto transportieren.

Der Spaziergang zur falschen Zeit. Mittags im Sommer, dazu Asphalt, der Fußballen verbrennt. Faustregel: Hältst du den Handrücken fünf Sekunden auf den Boden, ohne dass es wehtut, geht es.

Spiel ohne Pause. Ballwerfen bei Hitze ist die häufigste Ursache abseits vom Auto. Der Hund bricht nicht ab, solange der Ball fliegt.

Der Transport in der Box ohne Luftzug, auch auf kurzer Strecke.

Besonders gefährdet sind kurznasige Rassen – Mops, Französische Bulldogge, Boxer. Sie können über das Hecheln kaum Wärme abgeben. Bei ihnen beginnt der kritische Bereich deutlich früher.

Vorbeugen

Zusammenfassung

Ein Hitzschlag ist ein Notfall mit erheblicher Sterblichkeit. Erste Anzeichen sind anhaltendes hektisches Hecheln, sehr rote Schleimhäute und Taumeln – lässt das Hecheln nach, ist das keine Besserung. Richtig ist: sofort mit kaltem, nicht eiskaltem Wasser kühlen, bei jungen gesunden Hunden gern durch Eintauchen, und zwar vor dem Transport. Bei 39 bis 40 °C aufhören. Nasse Handtücher auflegen bringt fast nichts. Und selbst wenn der Hund sich erholt: Die gefährlichen Folgen zeigen sich erst Stunden später, deshalb gehört er in jedem Fall in die Praxis.