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Reisekrankheit beim Welpen: Warum es fast immer besser wird

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Reisekrankheit beim Welpen
Ein Welpe, der im Auto hechelt und speichelt, ist nicht aufgeregt – ihm ist schlecht

Es liegt am Innenohr, nicht am Charakter

Ein Welpe, der nach zehn Minuten Fahrt den Rücksitz vollsabbert, ist weder verzogen noch besonders ängstlich. Ihm ist schlecht – aus einem Grund, der sich auswächst.

Im Innenohr sitzt das Gleichgewichtsorgan. Es meldet dem Gehirn Bewegung. Die Augen melden gleichzeitig: Der Innenraum steht still. Aus diesem Widerspruch entsteht Übelkeit, bei Menschen wie bei Hunden. Bei jungen Hunden kommt hinzu, dass die Verarbeitung dieser Reize noch nicht ausgereift ist – deshalb trifft es Welpen deutlich häufiger als erwachsene Hunde.

Und genau deshalb ist die wichtigste Nachricht dieses Beitrags eine gute: Das legt sich bei den meisten Hunden von selbst.

Auf einem Blick

Woran du es erkennst

Die Anzeichen kommen in einer Reihenfolge, und wer die erste Stufe sieht, kann noch reagieren.

Zuerst: vermehrtes Speicheln, Schlucken, Lecken über die Lefzen. Unruhe, Hecheln ohne dass es warm wäre.

Dann: Zittern, Jammern, der Versuch aufzustehen und die Position zu wechseln. Manche Hunde werden auffällig still und ziehen sich zusammen.

Zuletzt: Erbrechen, manchmal Durchfall.

Der Unterschied zur reinen Angst vor dem Auto ist nicht immer eindeutig, und beides kann zusammen auftreten. Ein Hund, der schon beim Öffnen der Kofferraumklappe zurückweicht, hat ein Problem mit dem Auto. Ein Hund, der fröhlich einsteigt und nach zehn Minuten speichelt, hat ein Problem mit der Bewegung.

Was beim Fahren hilft

Nach vorn schauen lassen. Wenn der Hund in Fahrtrichtung blicken kann, stimmen die Meldungen von Auge und Innenohr besser überein. In einer geschlossenen Box mit Blick zur Seite ist das Gegenteil der Fall. Eine Box mit Gitter nach vorn im Kofferraum ist ein guter Kompromiss zwischen Sicherheit und Sicht.

Nicht auf vollen Magen. Die letzte Mahlzeit gehört etwa drei Stunden vor die Abfahrt, und sie darf klein ausfallen. Komplett nüchtern ist allerdings auch nicht ideal – ein leerer Magen kann die Übelkeit verstärken.

Kühl und frisch. Wärme macht Übelkeit schlimmer. Ein Fenster einen Spalt öffnen, Klimaanlage moderat, Sonne vom Liegeplatz fernhalten.

Ruhig fahren. Kurvige Landstraßen, häufiges Bremsen und Beschleunigen sind der Auslöser. Auf einer geraden Autobahnstrecke geht es vielen Hunden besser als auf zehn Minuten Serpentinen.

Pausen einplanen. Alle zwei Stunden anhalten, angeleint ein paar Minuten laufen, Wasser anbieten.

Die eigentliche Behandlung: Gewöhnung

Der Reflex, nicht mehr zu fahren, ist verständlich und verschlimmert die Sache. Denn der Hund lernt dann nur: Auto bedeutet Übelkeit. Nötig ist das Gegenteil – viele kurze Fahrten, die vor der Übelkeit enden.

Ein Vorgehen, das funktioniert:

  1. Auto steht, Motor aus. Der Welpe steigt ein, bekommt etwas Gutes, steigt wieder aus. Ein paar Tage lang, mehrmals täglich.
  2. Motor an, Auto steht. Gleiches Spiel, eine Minute.
  3. Einmal um den Block. Zwei, drei Minuten. Danach etwas Schönes – ein Spaziergang, nicht das Zuhause.
  4. Langsam verlängern, aber immer aufhören, bevor das Speicheln anfängt.

Entscheidend ist der letzte Punkt: Das Ziel jeder Übungsfahrt ist ein Hund, der ohne Übelkeit aussteigt. Eine Fahrt, die mit Erbrechen endet, wirft das Training um Wochen zurück.

Und ebenso wichtig: Das Auto darf nicht nur zum Tierarzt fahren. Wenn neun von zehn Fahrten in der Praxis enden, ist das Problem irgendwann kein körperliches mehr.

Wann ein Medikament sinnvoll ist

Es gibt einen Wirkstoff, der speziell gegen Reiseübelkeit beim Hund zugelassen ist: Maropitant, bekannt unter dem Handelsnamen Cerenia. Er wirkt im Brechzentrum des Gehirns und unterdrückt das Erbrechen zuverlässig. Die Tabletten sind ab einem Alter von acht Wochen zugelassen.

Zwei Dinge gehören dazu gesagt:

Es ist verschreibungspflichtig. Dosierung und Eignung klärt die Tierarztpraxis – auch, weil hinter wiederholtem Erbrechen etwas anderes stecken kann als die Fahrt.

Es nimmt die Übelkeit, nicht die Angst. Ein Hund, der vor dem Auto Panik hat, ist mit einem Mittel gegen Erbrechen nicht behandelt. Dann geht es um Gewöhnungsarbeit, und die braucht Zeit.

Sinnvoll ist ein Medikament vor allem für die eine unvermeidbare lange Fahrt, während das Training nebenher weiterläuft. Als Dauerlösung für den Alltag ist es das falsche Werkzeug.

Von Hausmitteln und Beruhigungsmitteln aus dem Internet ist abzuraten. Manches davon macht müde, ohne die Übelkeit zu nehmen – der Hund ist dann nur schlecht, ohne sich bewegen zu können.

Wann es nicht die Reisekrankheit ist

Zum Tierarzt gehört ein Hund, der

Der letzte Punkt ist der wichtigste: Wenn ein Hund jahrelang problemlos mitgefahren ist und es auf einmal nicht mehr tut, liegt das selten am Auto.

Zusammenfassung

Reiseübelkeit ist bei Welpen häufig, weil das Gleichgewichtsorgan und seine Verarbeitung noch nicht ausgereift sind – bei den meisten Hunden wächst sich das aus. Der erste Hinweis ist Speicheln, nicht Erbrechen. Helfen kann der Blick nach vorn, kühle Luft, ein nicht zu voller Magen und ruhiges Fahren. Die eigentliche Behandlung sind viele kurze Fahrten, die enden, bevor dem Hund schlecht wird. Für die eine unvermeidbare lange Strecke gibt es mit Maropitant ein wirksames, verschreibungspflichtiges Mittel – gegen Angst vor dem Auto hilft es allerdings nicht.