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Erste Hilfe beim Welpen: Die vier Fälle, die zählen

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Erste Hilfe beim Welpen
Die wichtigste Vorbereitung kostet fünf Minuten: die Notfallnummer der nächsten Klinik ins Telefon

Die fünf Minuten, die du jetzt investieren solltest

Bevor du weiterliest: Speicher die Nummer der nächsten Tierklinik mit Nachtdienst in deinem Telefon. Nicht die deiner Haustierarztpraxis – die ist nachts zu.

Im Ernstfall ist das der Unterschied zwischen „wir sind in zwölf Minuten da“ und zwanzig Minuten Suchen mit zitternden Händen. Es ist die einzige Vorbereitung, die in jedem der folgenden Fälle hilft.

Dazu gehört die Nummer des Giftnotrufs für Tiere und die Adresse der Klinik – mit dem Weg, den du im Dunkeln findest.

Auf einem Blick

Fall 1: Vergiftungsverdacht

Der häufigste Notfall bei Welpen, weil sie alles in den Mund nehmen.

Was du tust:

  1. Dem Welpen wegnehmen, was noch da ist – und aufheben. Verpackung, Pflanzenteil, Reste.
  2. Anrufen. Tierklinik oder Giftnotruf. Sag, was, wie viel, wann und wie schwer der Hund ist.
  3. Anweisungen befolgen.

Was du nicht tust: Erbrechen auslösen. Das ist der Reflex aus dem Internet und im falschen Fall gefährlich. Bei ätzenden Stoffen verbrennt der Rückweg Speiseröhre und Rachen ein zweites Mal. Bei schäumenden Mitteln kann Schaum in die Lunge geraten. Ob und wie Erbrechen ausgelöst wird, entscheidet die Praxis – sie hat dafür ein Medikament, das sicher wirkt.

Auch nicht: Milch geben. Das ist ein altes Hausmittel, das bei manchen Giften die Aufnahme sogar beschleunigt.

Welche Lebensmittel gefährlich sind – Schokolade, Weintrauben, Zwiebeln und vor allem Xylit – steht unter Giftige Lebensmittel für Welpen. Dazu kommen Frostschutzmittel, Schneckenkorn, Rattengift, viele Zimmerpflanzen und Medikamente für Menschen.

Fall 2: Etwas steckt fest

Zu unterscheiden sind zwei Situationen, und sie brauchen entgegengesetztes Verhalten.

Der Welpe würgt, hustet, schluckt – bekommt aber Luft. Dann ruhig bleiben und ihn machen lassen. Husten ist der wirksamste Mechanismus, den es gibt. In den Rachen greifen macht es oft schlimmer, weil man den Gegenstand tiefer schiebt.

Der Welpe bekommt keine Luft – rudert, panisch, Zunge bläulich, kein Hustengeräusch mehr. Jetzt zählt jede Sekunde:

  1. Maul öffnen und hineinschauen. Was sichtbar und greifbar ist, mit den Fingern entfernen – nicht blind tasten.
  2. Kleinen Welpen kopfüber halten und zwischen die Schulterblätter klopfen.
  3. Bei größeren: von hinten umfassen, Faust unter dem Brustkorb, mehrfach kräftig nach innen und oben drücken.
  4. Parallel in die Klinik, auch wenn es sich löst – der Gegenstand kann den Rachen verletzt haben.

Ein häufiger Sonderfall ist der Ball, der im Rachen sitzt. Er lässt sich manchmal von außen am Hals nach vorn drücken. Bälle, die kleiner sind als das Maul des Hundes, gehören deshalb nicht ins Spielzeug – siehe Welpenspielzeug.

Fall 3: Blutung

Druck, und zwar direkt auf die Wunde. Saubere Kompresse, Tuch, notfalls die Hand. Mehrere Minuten halten, ohne zwischendurch nachzusehen – jedes Anheben reißt die beginnende Gerinnung wieder auf.

Blutet es durch, legst du die nächste Lage darüber, nicht darunter.

Nicht abbinden. Eine Abbindung unterbricht die Blutversorgung des ganzen Beins und richtet mehr Schaden an als die Blutung, wenn sie zu lange bleibt oder falsch sitzt. Druck ist in fast allen Fällen ausreichend.

Pfotenballen bluten stark und lange, weil sie gut durchblutet sind und bei jedem Schritt wieder aufreißen. Verband anlegen, Hund tragen, in die Praxis.

Zur Wundversorgung gehört in die Tasche, was unter Notfallapotheke für Welpen steht.

Fall 4: Krampfanfall

Das sieht dramatisch aus, und das Wichtigste ist, nichts zu tun, was schadet.

Nicht festhalten. Der Hund krampft, er wehrt sich nicht – Festhalten hilft ihm nicht und bringt dich in Beißgefahr.

Nichts ins Maul. Ein Hund verschluckt seine Zunge nicht. Finger oder Gegenstände im Maul führen zu schweren Bissverletzungen.

Was du tust:

  1. Umgebung sichern. Möbel wegräumen, weg von Treppen, Decke unterlegen.
  2. Zeit stoppen. Die Dauer ist die wichtigste Information für die Praxis.
  3. Licht dämpfen, leise sein.
  4. Nach dem Anfall ist der Hund oft desorientiert – Ruhe geben, Wasser anbieten, wenn er sicher schlucken kann.
  5. In die Praxis. Jeder erste Anfall gehört abgeklärt.

Sofort losfahren bei einem Anfall, der länger als fünf Minuten dauert, oder bei mehreren Anfällen kurz hintereinander. Das ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Was du über deinen Welpen wissen solltest

Für den Anruf in der Klinik hilft es, wenn du die Normalwerte kennst:

Blasse, bläuliche oder ziegelrote Schleimhäute sind ein Alarmzeichen – ebenso wie eine Stelle, die nach dem Druck sichtbar länger weiß bleibt.

Übe das Temperaturmessen und das Anschauen der Schleimhäute einmal am gesunden Hund. Im Notfall ist keine Zeit, es zum ersten Mal zu versuchen.

Zusammenfassung

Erste Hilfe beim Hund besteht zu großen Teilen aus Dingen, die man nicht tut: kein Erbrechen auslösen, nicht abbinden, beim Krampfanfall nicht festhalten und nichts ins Maul. Was hilft, ist anzurufen, bevor man losfährt, das Verursachende mitzunehmen und bei Blutungen Druck zu halten. Und die wichtigste Maßnahme kostet jetzt fünf Minuten: die Nummer der nächsten Klinik mit Nachtdienst ins Telefon, zusammen mit dem Giftnotruf.