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Hundefutter-Etikett lesen: Was die Angaben wirklich bedeuten

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Hundefutter-Etikett lesen
Die Vorderseite ist Werbung. Was zählt, steht klein auf der Rückseite

Rechner

Zwei Futter vergleichbar machen

Trag die Angaben von der Packung ein – so, wie sie dort stehen. Der Rechner entfernt das Wasser aus beiden und zeigt, was tatsächlich drin ist.

Futter A

Futter B

Der Vergleich sagt, wie viel enthalten ist – nicht, wie gut es ist. Federn sind auch Protein. Was in der Zutatenliste steht, zählt genauso.

Die Vorderseite ist Werbung

„Mit saftigem Huhn“, „getreidefrei“, „wie selbst gekocht“ – auf der Schauseite steht, was verkauft. Rechtlich verbindlich ist die Rückseite, und dort steht es klein, in einer Sprache, die niemand erklärt.

Das ist kein Zufall. Die Deklarationsregeln lassen viel Spielraum, und wer ihn kennt, liest aus demselben Etikett deutlich mehr heraus.

Vorweg, damit die Erwartung stimmt: Ein Etikett verrät nicht, ob ein Futter gut ist. Es verrät, was ein Hersteller preisgibt – und was er lieber offenlässt. Das ist schon eine Menge.

Auf einem Blick

Der wichtigste Trick: Frischfleisch und Wasser

Wenn ein Trockenfutter mit „65 % Frischfleisch“ wirbt, klingt das großartig. Und es ist nicht einmal gelogen.

Die Zutaten werden nach ihrem Gewicht vor der Verarbeitung sortiert und angegeben. Frischfleisch besteht zu rund 70 Prozent aus Wasser. Beim Herstellen von Trockenfutter verdampft dieses Wasser fast vollständig – von 65 Kilogramm Frischfleisch bleiben etwa 20 Kilogramm übrig.

Im fertigen Futter sind also nicht 65 Prozent Fleisch enthalten, sondern ungefähr ein Fünftel davon. Der Rest der Packung besteht aus Zutaten, die von vornherein trocken waren – und die stehen auf der Liste weiter hinten, obwohl sie im Endprodukt überwiegen.

Woran du es erkennst: Steht „Frischfleisch“ oder „frisches Huhn“ da, gilt diese Rechnung. Steht „Hühnerfleischmehl“ oder „getrocknetes Geflügelprotein“, ist die Zutat bereits getrocknet – dann entspricht die Prozentangabe dem, was tatsächlich drin ist.

Das ist der Grund, warum ein Futter mit „30 % Hühnerfleischmehl“ mehr Fleisch enthalten kann als eines mit „65 % Frischfleisch“.

Was in der Zutatenliste steht – und was nicht

„Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ist die Sammelbezeichnung, die alles offenlässt. Darunter fallen Muskelfleisch ebenso wie Innereien, Knorpel, Sehnen und Schlachtabfälle. Nebenerzeugnisse sind nicht per se schlecht – Leber, Herz und Pansen sind wertvoll. Nur erfährst du nicht, was davon im Sack ist, und das kann von Charge zu Charge wechseln.

Tierart genannt oder nicht? „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (Huhn)“ sagt mehr als dieselbe Formulierung ohne Klammer. Wer eine Unverträglichkeit ausschließen will, braucht die Tierart – siehe Futtermittelunverträglichkeiten bei Welpen.

„Getreide“, „pflanzliche Nebenerzeugnisse“, „Öle und Fette“ sind ebenfalls Sammelbegriffe. Sie erlauben dem Hersteller, je nach Marktpreis zu wechseln, ohne das Etikett zu ändern.

Hervorgehobene Zutaten dürfen erst genannt werden, wenn ein Mindestanteil enthalten ist. Genau deshalb steht auf manchen Packungen „mit 4 % Huhn“ in kleiner Schrift, während vorne ein Hähnchen abgebildet ist. Und: Ist nur „Huhn“ angegeben statt „Hühnerfleisch“, können auch Federn, Füße oder Schnäbel gemeint sein.

Offene und geschlossene Deklaration

Geschlossen heißt: Es stehen Sammelbegriffe da, keine oder kaum Prozentangaben. Rechtlich zulässig, aber wenig aussagekräftig.

Offen heißt: jede Zutat einzeln benannt, mit Prozentangabe. Das erlaubt es erst, zwei Produkte zu vergleichen.

Eine offene Deklaration ist kein Gütesiegel – auch damit lässt sich ein mäßiges Futter beschreiben. Aber sie zeigt, dass ein Hersteller nichts zu verbergen hat, und sie macht die Kontrolle möglich. Wo nichts offengelegt wird, ist auch nichts nachprüfbar.

Die analytischen Bestandteile

Der Kasten mit Rohprotein, Rohfett und so weiter. „Roh“ heißt hier nicht „ungekocht“, sondern bezeichnet das Laborverfahren.

Kalzium und Phosphor stehen nicht immer dabei, sind für einen Welpen aber die interessantesten Zahlen – besonders bei großen Rassen, wo ein Zuviel an Kalzium dem wachsenden Skelett schadet. Fehlt die Angabe, lohnt die Nachfrage beim Hersteller.

So vergleichst du zwei Futter überhaupt

Das ist der Rechenschritt, den kaum jemand macht – und ohne den jeder Vergleich zwischen Nass- und Trockenfutter falsch ist.

Nassfutter enthält rund 80 Prozent Wasser, Trockenfutter etwa 8 Prozent. Ein Nassfutter mit „10 % Rohprotein“ sieht neben einem Trockenfutter mit „28 %“ schwach aus. Rechnet man das Wasser heraus, dreht sich das Bild.

Die Rechnung:

Anteil in der Trockensubstanz = Angabe ÷ (100 − Feuchtigkeit) × 100

Beispiel Nassfutter: 10 % Protein, 80 % Feuchtigkeit 10 ÷ 20 × 100 = 50 % Protein in der Trockensubstanz.

Beispiel Trockenfutter: 28 % Protein, 8 % Feuchtigkeit 28 ÷ 92 × 100 = 30 % Protein in der Trockensubstanz.

Das Nassfutter hat in diesem Beispiel also deutlich mehr Protein – obwohl auf der Dose die kleinere Zahl steht. Erst nach dieser Umrechnung sind zwei Produkte vergleichbar, und dasselbe gilt für Fett, Rohasche und alles andere.

Allein- oder Ergänzungsfuttermittel

Eine kleine Angabe mit großer Bedeutung.

Alleinfuttermittel ist so zusammengesetzt, dass es allein den gesamten Nährstoffbedarf deckt. Es kann als einzige Nahrung gefüttert werden.

Ergänzungsfuttermittel ist das nicht. Viele Nassfutter-Dosen mit „100 % Fleisch“ fallen in diese Kategorie – als alleinige Fütterung führen sie über Wochen zu Mangelerscheinungen, weil Kalzium und Spurenelemente fehlen. Bei einem wachsenden Welpen geht das schneller schief als bei einem erwachsenen Hund.

Steht „Ergänzungsfuttermittel“ auf der Dose, gehört etwas dazu – und was genau, ist eine Frage für die Ernährungsberatung, nicht fürs Bauchgefühl.

Eine Prüfliste für den Laden

  1. Alleinfutter oder Ergänzungsfutter?
  2. Ist die Tierart genannt, oder steht nur „Fleisch“ da?
  3. Steht Frischfleisch oder Mehl in der Prozentangabe?
  4. Wie viele Sammelbegriffe stehen in der Zutatenliste?
  5. Sind Kalzium und Phosphor angegeben?
  6. Bei Vergleichen: auf Trockensubstanz umrechnen.

Und dann gilt trotzdem, was in jedem Beitrag hier steht: Das beste Etikett nützt nichts, wenn der Hund das Futter nicht verträgt. Was am Ende zählt, sind Kotbeschaffenheit, Fell, Energie und die Entwicklung auf der Wachstumskurve.

Zusammenfassung

Die Vorderseite verkauft, die Rückseite informiert. Der wichtigste Punkt ist das Wasser: „65 % Frischfleisch“ bei Trockenfutter entspricht nach dem Trocknen etwa einem Fünftel, während Angaben zu Fleischmehl dem Endprodukt entsprechen. Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ lassen offen, was drin ist. Eine offene Deklaration ist kein Gütesiegel, macht aber Vergleiche möglich – und vergleichen lässt sich erst nach der Umrechnung auf Trockensubstanz. Und die kleinste Angabe mit der größten Wirkung: Alleinfutter deckt den Bedarf, Ergänzungsfutter nicht.