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Knochen für Welpen: Warum gekocht die rote Linie ist

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Knochen für Welpen
Kauen ist ein Grundbedürfnis – die Frage ist nur, worauf

Eine Regel ohne Ausnahme

Gekochte Knochen niemals. Nicht der Rest vom Sonntagsbraten, nicht das Hühnerbein aus der Suppe, nicht der Knochen vom Grillen.

Beim Garen verändert sich die Struktur: Der Knochen verliert seine Elastizität und bricht in scharfkantige Splitter, statt zu zersplittern wie ein roher. Diese Splitter können Speiseröhre, Magen und Darm verletzen – im schlimmsten Fall durchstoßen.

Das ist die einzige Aussage in diesem Beitrag, die keine Abwägung braucht. Alles andere ist eine.

Auf einem Blick

Warum Welpen überhaupt kauen wollen

Kauen beruhigt. Es ist ein Grundbedürfnis, keine Marotte – und in der Zeit des Zahnwechsels ab etwa der 16. Woche wird es dringend, weil das Zahnfleisch juckt und schmerzt.

Ein Welpe, der nichts zum Kauen bekommt, sucht sich etwas. Meist Tischbeine, Schuhe oder Kabel. Insofern ist die Frage nicht, ob er kauen soll, sondern worauf.

Rohe Knochen: erlaubt, aber mit Bedingungen

Rohe Knochen splittern nicht wie gekochte. Harmlos sind sie deshalb nicht.

Die Risiken, der Reihe nach:

Wenn, dann so:

Während des Zahnwechsels: Pause

Zwischen etwa der 16. und der 28. Lebenswoche fallen die Milchzähne aus, die bleibenden schieben nach. Das Zahnfleisch ist gereizt, die neuen Zähne sind noch nicht fest verankert.

In dieser Zeit gehören harte Knochen weg. Was hilft, ist Kühlung und weiche Nachgiebigkeit: ein nasses, eingefrorenes Handtuch, gekühltes Kauspielzeug, eine rohe Karotte aus dem Kühlschrank.

Wer dann einen Markknochen gibt, riskiert genau das, was man später teuer behandeln lässt.

Was hinterher im Kot steht

Der zuverlässigste Rückmelder: Weißer, bröseliger, harter Kot heißt zu viel Knochen. Dann eine Pause einlegen und beim nächsten Mal weniger geben.

Presst der Welpe sichtbar und kommt nichts oder nur wenig sehr harter Kot, ist das ein Fall für die Praxis – nicht für Abwarten und schon gar nicht für Hausmittel.

Alternativen, die dasselbe leisten

Kauen ist das Bedürfnis, nicht der Knochen.

Getrocknete Kauartikel aus Rind – Kopfhaut, Ohren, Kaustreifen – sind nachgiebiger als Knochen und für Welpen gut geeignet. Mehr dazu unter Kauknochen für Welpen.

Kauspielzeug aus Naturkautschuk, befüllbar und in den Kühlschrank zu legen.

Rohe Karotte aus dem Kühlschrank – kalorienarm, kühlend, unbedenklich.

Nicht geeignet: Kaustangen aus Presshaut (quellen im Magen auf), sehr harte Nylonknochen (Zahnfrakturen), Hufe und Geweihe (zu hart für Welpenzähne), Schweineohren in Mengen (sehr fett).

Wenn doch etwas passiert ist

Hat dein Welpe gekochte Knochen gefressen: anrufen, nicht abwarten – auch wenn er sich normal verhält. Und kein Erbrechen auslösen, denn Splitter richten auf dem Rückweg denselben Schaden an.

Alarmzeichen sind Würgen, Speicheln, Erbrechen, blutiger oder schwarzer Kot, Pressen ohne Ergebnis, ein aufgezogener Bauch oder Teilnahmslosigkeit. Das Vorgehen steht unter Erste Hilfe beim Welpen.

Zusammenfassung

Gekochte Knochen sind lebensgefährlich, weil sie scharfkantig splittern – dabei gibt es nichts abzuwägen. Rohe Knochen sind erlaubt, aber nicht harmlos: Sie können Zähne brechen, den Darm verstopfen und Keime tragen. Wenn überhaupt, dann weiche Knochen, größer als das Maul, unter Aufsicht, zeitlich begrenzt und höchstens zweimal pro Woche. Während des Zahnwechsels gar keine harten Knochen. Weißer, harter Kot heißt: zu viel. Und weil es ums Kauen geht und nicht um den Knochen, tun es getrocknete Kauartikel, gekühltes Kauspielzeug oder eine rohe Karotte genauso.