Gewichtstabelle: Wächst mein Welpe richtig?
Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Rechner
Wie schwer wird dein Welpe?
Auch der bessere der beiden Wege bleibt eine Schätzung. Genau vorhersagen lässt sich das Endgewicht nicht – bei Mischlingen erst recht nicht. Für die Futtermenge reicht die Größenordnung völlig aus; entscheidend bleibt, wie sich dein Welpe anfühlt.
Warum es die eine Gewichtstabelle nicht gibt
Der Rechner oben nennt eine Spanne, keine Zahl. Das ist kein Ausweichen, sondern der ehrliche Stand: Genau vorhersagen lässt sich das Endgewicht nicht.
Wer nach einer Tabelle sucht, in der das Sollgewicht für jede Lebenswoche steht, sucht etwas, das es sinnvollerweise nicht geben kann. Ein Chihuahua-Welpe und ein Bernhardiner-Welpe haben in der zwölften Woche nichts gemeinsam, und selbst innerhalb einer Rasse liegen Wurfgeschwister weit auseinander.
Was es gibt, sind zwei brauchbare Werkzeuge: eine grobe Abschätzung des Endgewichts und – deutlich wichtiger – die Beurteilung der Wachstumskurve. Nicht das Gewicht an einem Tag zählt, sondern die Richtung.
Der Weg über die Elterntiere ist dabei der zuverlässigere: Hündinnen schlagen meist nach der Mutter, Rüden nach dem Vater. Die Hochrechnung aus dem heutigen Gewicht ist der Notbehelf für Mischlinge und Tierschutzhunde – sie rechnet mit den Wachstumskurven der FEDIAF-Richtlinien (Tabelle VII-8a) und ist umso unsicherer, je jünger der Welpe ist.
Steht das Endgewicht ungefähr fest, lässt sich damit die Futtermenge berechnen – die Rechnung braucht genau diesen Wert.
Und genau da liegt der Punkt, der am meisten unterschätzt wird: Ein Welpe, der zu schnell wächst, hat ein Problem – auch wenn er nicht dick aussieht.
Auf einem Blick
- ein gesunder Welpe verdoppelt sein Geburtsgewicht in der ersten Woche
- das Endgewicht lässt sich nur grob schätzen, die Faustformeln unterscheiden sich nach Größenklasse
- entscheidend ist die Gleichmäßigkeit der Kurve, nicht die einzelne Zahl
- bei großen Rassen ist zu schnelles Wachstum ein eigener Risikofaktor für die Gelenke
- Kalzium nicht zusätzlich geben, wenn ein Alleinfutter gefüttert wird
- einmal in der Woche wiegen reicht – täglich sagt nichts
Wann ein Hund ausgewachsen ist
| Endgewicht | Wachstum abgeschlossen |
|---|---|
| unter 10 kg | 8 bis 12 Monate |
| 10 bis 25 kg | etwa 12 Monate |
| 25 bis 45 kg | 15 bis 18 Monate |
| über 45 kg | 18 bis 24 Monate |
Diese Spanne ist auch der Grund, warum der Wechsel auf Erwachsenenfutter bei großen Rassen so viel später kommt – siehe Futterumstellung beim Welpen.
Wie groß wird mein Welpe? Die Faustformeln
Es gibt gebräuchliche Schätzformeln, und sie unterscheiden sich nach Größenklasse. Verlass dich nicht auf die Nachkommastelle – das sind Anhaltspunkte, keine Prognosen:
| Größenklasse | Schätzung |
|---|---|
| Zwerg- und kleine Rassen | Gewicht mit 6 Wochen × 4 |
| mittlere Rassen | Gewicht mit 14 Wochen × 1,5 |
| große und sehr große Rassen | Gewicht mit 6 Monaten × 2 |
Die verlässlichere Auskunft bekommst du beim Züchter. Er kennt die Eltern und frühere Würfe, und das schlägt jede Formel. Bei einem Mischling aus dem Tierschutz bleibt die Unsicherheit – hier hilft am ehesten der Blick auf Pfoten, Knochenbau und, falls bekannt, die Elterntiere.

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Warum schnelles Wachstum schadet
Hier liegt die eigentliche Botschaft dieses Beitrags, und sie läuft dem Gefühl vieler Halter zuwider: Ein Welpe soll sein Endgewicht langsam erreichen, nicht schnell.
Bei großen und sehr großen Rassen ist ein Energieüberschuss im Wachstum ein anerkannter Risikofaktor für orthopädische Entwicklungsstörungen – Hüftgelenksdysplasie, Ellbogendysplasie, Osteochondrose. Der Mechanismus ist anschaulich: Der Knorpel wächst schneller, als er von innen ernährt werden kann. Wird die Schicht zu dick, sterben die tieferen Zellen ab, und es entstehen Schäden, die bleiben.
Mehr Futter macht also keinen größeren Hund – der Hund wird am Ende so groß, wie es in ihm angelegt ist. Es macht nur einen, der schneller dorthin kommt, mit mehr Masse auf noch unfertigen Gelenken.
Und Kalzium bitte nicht zusätzlich geben. Ein Welpe kann die Aufnahme über den Darm noch nicht gut herunterregeln – eine Überversorgung mit Kalzium und Phosphor gehört zu den häufigsten Auslösern von Osteochondrose. Ein gutes Alleinfutter enthält bereits das passende Verhältnis; Zufüttern von Knochenmehl, Eierschalen oder Kalziumpräparaten ist dann nicht hilfreich, sondern schädlich. Was ein Welpenfutter leisten muss, steht unter Welpenfutter.
Was eine Langzeitstudie an Labradoren gezeigt hat
Es gibt zu dieser Frage eine ungewöhnlich gute Untersuchung. 48 Labradore wurden paarweise ihr ganzes Leben lang begleitet – ab der achten Lebenswoche bekam jeweils einer von beiden 25 Prozent weniger Futter als sein Partner.
Die Ergebnisse:
- Die schlanker gefütterten Hunde lebten im Mittel 13 Jahre, die anderen 11,2 Jahre – ein Unterschied von 1,8 Jahren.
- Arthrose trat bei ihnen im Schnitt 1,5 Jahre später auf.
- Im Alter von acht Jahren hatten 10 Prozent der schlanken Hunde Arthrose in mehreren Gelenken – bei den satt gefütterten waren es 77 Prozent.
Das ist keine Diätempfehlung für dünne Hunde, und 25 Prozent weniger ist kein Rezept zum Nachmachen. Aber es beantwortet die Frage, in welche Richtung man im Zweifel irren sollte: eher schlank als rund.
Richtig wiegen
Wie: Bei kleinen Welpen reicht eine Küchen- oder Personenwaage. Bei größeren stellst du dich selbst auf die Waage, dann noch einmal mit dem Welpen auf dem Arm, und ziehst ab. Die meisten Tierarztpraxen lassen dich die Waage im Wartezimmer auch ohne Termin benutzen – ein guter Nebeneffekt: Die Praxis bleibt ein harmloser Ort.
Wie oft: Einmal in der Woche, immer am selben Wochentag und möglichst zur selben Tageszeit. Tägliches Wiegen erzeugt nur Rauschen.
Was du notierst: Datum und Gewicht, sonst nichts. Nach ein paar Wochen siehst du eine Kurve – und die ist die eigentliche Information.
Worauf du achtest: eine stetig steigende Linie. Kurze Plateaus im Zahnwechsel oder nach einer Aufregung sind normal. Auffällig ist eine Kurve, die über Wochen flach bleibt, abknickt – oder plötzlich steiler wird.
Was die Waage nicht zeigt
Die Zahl allein sagt nichts darüber, ob dein Welpe zu dick oder zu dünn ist. Ein muskulöser Junghund kann mehr wiegen als ein verfetteter gleicher Größe.
Das passende Werkzeug dafür ist der Rippentest: Rippen fühlbar, aber nicht sichtbar, Taille von oben erkennbar, Bauchlinie von der Seite ansteigend. Ausführlich beschrieben – samt der Frage, wie du die Futtermenge daraufhin anpasst – steht das unter Futtermenge für Welpen.
Waage und Rippentest ergänzen sich: Die Waage zeigt die Richtung, die Hand zeigt den Zustand.
Wann das Gewicht ein Warnzeichen ist
Der Welpe nimmt nicht zu, frisst aber normal. Der häufigste Grund bei jungen Hunden ist ein Wurmbefall – siehe Welpen entwurmen. Auch anhaltender Durchfall kostet Substanz, siehe Durchfall bei Welpen.
Der Welpe verliert Gewicht. Bei einem wachsenden Hund ist das immer ein Grund für einen Termin, nicht zum Abwarten.
Der Welpe frisst nicht mehr. Ursachen und Vorgehen stehen unter Welpe frisst nicht.
Die Kurve wird plötzlich steiler. Meist ist die Futtermenge nicht angepasst worden, oder es kommen zu viele Leckerli dazu. Bei einem großen Welpen ist das kein Schönheitsthema.
Gewichtstabelle für Welpen FAQ
Wie viel sollte mein Welpe pro Woche zunehmen?
Es gibt keine allgemeingültige Zahl – sie hängt von der Endgröße ab. Wichtiger ist, dass die Kurve gleichmäßig steigt und der Rippentest im Idealbereich bleibt.
Wie schätze ich das Endgewicht meines Welpen?
Bei kleinen Rassen das Gewicht mit sechs Wochen mal vier, bei mittleren das Gewicht mit 14 Wochen mal 1,5, bei großen das Gewicht mit sechs Monaten mal zwei. Alles grobe Anhaltspunkte.
Mein Welpe ist dünner als die Wurfgeschwister – ist das schlimm?
Nicht unbedingt. Solange er gleichmäßig zunimmt, munter ist und der Rippentest passt, ist ein schlankerer Welpe eher im Vorteil.
Soll ich Kalzium zufüttern, damit die Knochen stabil werden?
Nein. Bei einem Alleinfutter ist das Verhältnis bereits eingestellt, und eine Überversorgung schadet den Gelenken, statt zu nützen.
Wie oft soll ich meinen Welpen wiegen?
Einmal wöchentlich genügt, am besten immer am selben Tag. Entscheidend ist die Kurve über Wochen, nicht der einzelne Wert.
Mein Welpe wirkt plötzlich schlaksig und mager – stimmt etwas nicht?
Meist nicht. Besonders große Rassen schießen in die Länge, bevor sie in die Breite gehen. Solange die Kurve steigt und der Rippentest stimmt, ist das eine Phase.
Wächst ein Welpe schneller, wenn er mehr bekommt?
Er wird schneller schwerer, aber nicht größer. Die Endgröße ist angelegt – mehr Futter verkürzt nur den Weg dorthin, auf Kosten der Gelenke.
Zusammenfassung
Eine allgemeingültige Gewichtstabelle für Welpen gibt es nicht, und sie wäre auch nicht das, was du brauchst. Was du brauchst, ist eine Kurve: einmal in der Woche wiegen, Datum und Gewicht notieren, auf Gleichmäßigkeit achten.
Die Faustformeln zum Endgewicht sind grobe Anhaltspunkte – der Züchter weiß es besser als jede Rechnung.
Und der Satz, der am Ende am meisten zählt: Langsames Wachstum ist gesundes Wachstum. Das gilt besonders für große Rassen, bei denen ein Energieüberschuss direkt auf die Gelenke geht. Die Langzeitstudie an Labradoren hat gezeigt, wie weit das reicht – die schlanker gefütterten Hunde lebten im Mittel fast zwei Jahre länger und bekamen deutlich später Arthrose.
Im Zweifel also lieber eine Rippe zu viel zu fühlen als eine zu wenig.




