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Hund hat Schokolade gefressen: Wie gefährlich ist es?

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Hund hat Schokolade gefressen
Entscheidend ist nicht die Tafel, sondern das Verhältnis aus Kakaoanteil, Menge und Körpergewicht

Notfall-Rechner

Mein Welpe hat Schokolade gefressen

Dieser Rechner ersetzt keinen Anruf. Er ordnet nur ein, wie dringend es ist. Die Menge ist selten genau bekannt, der Theobromin-Gehalt schwankt je Hersteller, und Vorerkrankungen verschieben alles. Im Zweifel gilt: anrufen, nicht abwarten – und niemals selbst Erbrechen auslösen.

Warum die Rechnung oben so aussieht

Gefährlich an Schokolade ist Theobromin, ein Stoff aus der Kakaobohne. Menschen bauen ihn binnen Stunden ab, Hunde brauchen dafür ein Vielfaches – bei ihnen reichert er sich an und wirkt auf Herz, Kreislauf und Nervensystem.

Drei Größen entscheiden, und deshalb fragt der Rechner genau danach:

Der Kakaoanteil. Zwischen weißer Schokolade und Backkakao liegt etwa der Faktor 300. Weiße Schokolade enthält kaum Theobromin, Kakaopulver sehr viel.

Die Menge. Eine Praline ist etwas anderes als eine Tafel.

Das Gewicht des Hundes. Alles rechnet sich pro Kilogramm – und genau deshalb ist es bei einem Welpen schneller ernst. Was ein ausgewachsener Labrador wegsteckt, kann einen Vierkilo-Welpen in die Klinik bringen.

Auf einem Blick

Die Schwellen

DosisWas zu erwarten ist
ab 20 mg/kgErbrechen, Durchfall, Unruhe, starker Durst
ab 40 mg/kgHerzrasen, Zittern, erhöhter Blutdruck
ab 60 mg/kgKrampfanfälle möglich
ab 100 mg/kglebensbedrohlich

Zur Einordnung: Eine halbe Tafel Zartbitter bringt einen fünf Kilo schweren Welpen bereits deutlich über die kritische Schwelle. Dieselbe Menge Vollmilchschokolade bleibt darunter – ist aber immer noch ein Fall für den Anruf.

Das Tückische ist der Zeitverlauf

Die höchsten Blutwerte werden ein bis zwei Stunden nach dem Fressen erreicht, die ersten Anzeichen zeigen sich oft erst nach zwei bis vier Stunden.

Das führt regelmäßig zu einer falschen Entwarnung: Der Hund hat Schokolade gefressen, wirkt nach einer halben Stunde völlig normal, und alle beruhigen sich. Zu dem Zeitpunkt ist noch gar nichts entschieden.

Umgekehrt ist genau diese Zeit wertvoll: Je früher behandelt wird, desto weniger Theobromin gelangt überhaupt in den Kreislauf.

Was du tun solltest

  1. Nachsehen, was es war. Verpackung suchen, Kakaoanteil lesen, Rest abschätzen.
  2. Anrufen. Tierarztpraxis oder Klinik, mit Gewicht, Sorte, Menge und Uhrzeit.
  3. Verpackung mitnehmen, wenn du hinfährst.
  4. Beobachten – Erbrechen, Zittern, Hecheln, Unruhe, Herzrasen.

Was du nicht tun solltest: selbst Erbrechen auslösen. Weder mit Salzwasser noch mit sonst einem Hausmittel. Ob Erbrechen sinnvoll ist, entscheidet die Praxis – sie hat ein Medikament, das sicher wirkt. Salzwasser dagegen kann eine zweite Vergiftung verursachen.

Mehr zu den ersten Minuten bei Vergiftungen steht unter Erste Hilfe beim Welpen.

Vorbeugen

Die meisten Fälle passieren nicht, weil jemand den Hund gefüttert hat, sondern weil etwas herumlag. Der Adventskalender in Reichweite, die Pralinenschachtel auf dem Couchtisch, der Kakao im offenen Küchenschrank.

Besonders heikel sind Weihnachten und Ostern – dann liegt Schokolade in Wohnungen herum, in denen sonst keine liegt, oft auf Hundehöhe versteckt.

Was sonst noch gefährlich ist, steht mit Nachschlagewerk unter Giftige Lebensmittel für Welpen – das gefährlichste ist übrigens nicht Schokolade, sondern Xylit.

Zusammenfassung

Gefährlich ist das Theobromin, und wie gefährlich, hängt von Kakaoanteil, Menge und Körpergewicht ab. Ab etwa 20 mg je Kilogramm sind Anzeichen zu erwarten, ab 100 mg/kg wird es lebensbedrohlich. Zwischen weißer Schokolade und Backkakao liegt der Faktor 300. Das Tückische ist der Zeitverlauf: Die ersten Anzeichen kommen oft erst nach zwei bis vier Stunden – ein Hund, der jetzt normal wirkt, ist nicht über den Berg. Verpackung aufheben, anrufen, nicht selbst Erbrechen auslösen.