Obst und Gemüse für Welpen: Was geht, was nicht, wie viel
Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Die Menge, die niemand nennt
Obst und Gemüse sind für Welpen eine nette Ergänzung – aber sie sind keine Mahlzeit, und sie sind kein Gesundheitsprogramm.
Die brauchbare Faustregel: höchstens etwa zehn Prozent der Tagesration, und das eher als Leckerli denn als Beilage. Alles darüber verschiebt die Nährstoffbilanz eines Alleinfutters, das genau darauf ausgelegt ist, vollständig zu sein.
Bei einem wachsenden Welpen ist das kein kleiner Punkt. Wer ein Viertel der Ration durch Karotten ersetzt, hat ein Viertel weniger von allem, was er zum Wachsen braucht.
Auf einem Blick
- höchstens rund 10 % der Tagesration, sonst gerät die Bilanz ins Rutschen
- gekocht oder püriert ist meist verträglicher als roh
- Obst bringt vor allem Zucker – sparsam sein
- Kerngehäuse und Steinobstkerne immer entfernen
- neu eingeführt wird einzeln, nicht drei Sorten auf einmal
- bei Zwiebelgewächsen, Weintrauben und Avocado gilt: gar nicht
Warum roh nicht automatisch besser ist
Ein Hund ist kein Pflanzenfresser. Ihm fehlt die Fähigkeit, Zellulose aufzubrechen – die Zellwände von rohem Gemüse gehen weitgehend unverdaut wieder hinaus.
Deshalb gilt: Wer Nährstoffe will, kocht oder püriert. Wer einen Kauspaß will, gibt roh. Beides ist richtig, nur verwechselt man es gern.
Eine rohe Karotte im Ganzen ist für einen Welpen eine gute Beschäftigung und schadet nicht – nur landet der Karotteninhalt größtenteils wieder im Garten. Eine gedünstete, pürierte Karotte dagegen bringt tatsächlich etwas.
Gemüse, das geht
Karotte. Der Klassiker, roh als Kauspaß, gekocht bei weichem Kot. Die Morosche Karottensuppe – lange gekochte, pürierte Karotte – ist ein Standardmittel der Schonkost.
Kürbis. Gekocht und püriert. Hilft sowohl bei weichem Kot als auch bei Verstopfung. Zierkürbisse sind giftig, Hokkaido und Butternut nicht.
Zucchini. Gedünstet gut verträglich. Sehr bittere Exemplare aus dem eigenen Garten aussortieren – Bitterstoffe können giftig sein.
Gurke. Wasserreich und kalorienarm, gut an heißen Tagen. Viele Hunde mögen sie nicht.
Grüne Bohnen. Nur durchgekocht. Roh enthalten sie Phasin und sind giftig.
Spinat, Mangold. Gedünstet und in kleinen Mengen. Wegen der Oxalsäure nicht täglich.
Kartoffel. Nur gekocht und ohne Schale. Roh und mit grünen Stellen enthält sie Solanin.
Rote Bete. Gekocht. Färbt Kot und Urin rötlich – das ist kein Blut, sorgt aber regelmäßig für Schrecken.
Obst, das geht
Apfel. Gut geeignet, roh oder gerieben. Das Kerngehäuse entfernen, die Kerne enthalten Amygdalin.
Birne. Wie Apfel, reif und ohne Kerngehäuse.
Beeren. Blaubeeren, Erdbeeren, Himbeeren in kleinen Portionen. Weintrauben sind ausdrücklich ausgenommen – die können Nierenversagen auslösen.
Banane. Unbedenklich, aber zuckerreich. Ein paar Scheiben, nicht die halbe Frucht.
Wassermelone. Ohne Kerne und Schale, eine gute Erfrischung.
Obst bringt vor allem Zucker. Als Leckerli beim Training ist das in Ordnung, als tägliche Beigabe wird es zur unbemerkten Kalorienquelle – und die gehört von der Futtermenge abgezogen, nicht obendrauf.
Was nicht in den Napf gehört
- Zwiebel, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch – auch gekocht, auch in kleinen Mengen über längere Zeit
- Weintrauben und Rosinen – keine sichere Menge bekannt
- Avocado – dazu der große Kern als Verstopfungsgefahr
- rohe Bohnen und Hülsenfrüchte
- rohe Kartoffeln, grüne Tomaten, Blätter und Stiele von Nachtschattengewächsen
- Steinobstkerne von Kirsche, Aprikose, Pfirsich, Pflaume
Das ausführliche Nachschlagewerk mit über fünfzig Einträgen steht unter Giftige Lebensmittel für Welpen – dort lässt sich direkt nachschlagen, ob etwas geht.
So führst du Neues ein
Eine Sorte, kleine Menge, drei Tage beobachten. Dann die nächste.
Wer drei Sorten gleichzeitig gibt und der Welpe bekommt weichen Kot, weiß hinterher nicht, welche es war. Das ist derselbe Grundsatz wie bei der Futterumstellung.
Anzeichen, dass es zu viel oder das Falsche war: weicher Kot, Blähungen, unverdaute Stücke im Kot. Letzteres ist bei rohem Gemüse normal und kein Grund zur Sorge – bei gekochtem dagegen ein Hinweis.
Wenn der Welpe es nicht mag
Dann lass es. Es gibt keinen Nährstoff in Obst oder Gemüse, den ein Welpe aus einem guten Alleinfutter nicht ohnehin bekommt.
Obst und Gemüse sind Abwechslung, Beschäftigung und ein kalorienarmes Leckerli – mehr müssen sie nicht sein. Wer seinem Welpen etwas Gutes tun will und auf Widerstand stößt, hat nichts verpasst.
Zusammenfassung
Obst und Gemüse sind Beiwerk, keine Mahlzeit: höchstens etwa zehn Prozent der Tagesration, sonst leidet die Bilanz des Alleinfutters. Gekocht und püriert bringt Nährstoffe, roh bringt Kauspaß – ein Hund kann Zellulose nicht aufschließen. Unproblematisch sind Karotte, Kürbis, Zucchini, Gurke, gekochte Bohnen, Apfel, Birne und Beeren. Tabu bleiben Zwiebelgewächse, Weintrauben, Avocado, rohe Hülsenfrüchte und alles Grüne an Nachtschattengewächsen. Neues immer einzeln einführen – und was an Leckerli dazukommt, gehört von der Tagesmenge abgezogen.




