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Welpen entwurmen

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Welpen entwurmen
Über die Muttermilch werden Spulwurmlarven direkt an die Welpen weitergegeben

Warum jeder Welpe entwurmt wird – auch der aus bester Zucht

Das ist der Punkt, der die meisten überrascht: Ein Welpe ist in aller Regel bereits infiziert, wenn er zur Welt kommt. Das hat nichts mit Sauberkeit oder mit der Qualität der Zucht zu tun.

Der Hundespulwurm Toxocara canis hat einen Weg gefunden, der ihn davon unabhängig macht. In fast jeder Hündin schlummern Larven im Gewebe, oft seit ihrer eigenen Welpenzeit und ohne dass sie krank wäre. Wird sie trächtig, aktivieren die Hormone diese Larven. Sie wandern durch die Plazenta in die ungeborenen Welpen – und später zusätzlich über die Muttermilch.

Der vorgeburtliche Weg ist der wichtigste überhaupt. Eine noch so gründliche Entwurmung der Hündin vor der Deckung beseitigt die Gewebelarven nicht.

Deshalb ist die Frage nie „ob”, sondern nur „wann”.

Auf einem Blick

Das Entwurmungsschema

Die maßgeblichen Empfehlungen in Europa kommen von ESCCAP, dem wissenschaftlichen Fachgremium für Parasiten bei Heimtieren. Für Welpen gilt das sogenannte 2-2-2-Schema:

ZeitpunktWas passiert
2. Lebenswocheerste Behandlung gegen Spulwürmer – Hündin zeitgleich mit
alle 2 WochenWiederholung, bis zwei Wochen nach der letzten Muttermilch
danach monatlichbis zum Alter von sechs Monaten
ab 6 Monatennach Risiko, meist zwei- bis viermal im Jahr

Die ersten Behandlungen macht der Züchter. Lass dir bei der Abholung schriftlich geben, wann und womit entwurmt wurde – das gehört wie der Impfpass zur Übergabe, siehe Hundewelpen kaufen.

Fehlt diese Angabe oder wirkt sie improvisiert, ist das ein ernstes Zeichen. Ein Züchter, der das Schema nicht kennt, kennt vermutlich auch anderes nicht – worauf du sonst achtest, steht unter Seriöse Hundezüchter erkennen.

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Der größte Irrtum: eine Wurmkur schützt nicht

Sehr viele Halter verstehen die Wurmkur wie eine Impfung – einmal gegeben, eine Weile geschützt. Das ist falsch, und der Unterschied ist erheblich.

Ein Wurmmittel wirkt nur etwa ein bis drei Tage. Es tötet, was in diesem Moment im Darm sitzt. Am vierten Tag kann dein Welpe wieder Eier aufnehmen, und die Behandlung vom Montag ändert daran nichts.

Eine Entwurmung ist also keine Vorsorge, sondern eine Momentaufnahme mit Behandlung. Regelmäßige Wiederholung soll nicht dauerhaft schützen, sondern verhindern, dass sich ein starker Befall aufbaut und dass große Mengen Eier in die Umwelt gelangen.

Das erklärt auch, warum das Schema bei Welpen so eng getaktet ist: Sie infizieren sich dauernd neu, und ein schwerer Befall schadet einem wachsenden Hund erheblich mehr als einem erwachsenen.

Kotprobe statt Wurmkur?

Es gibt eine Alternative zur planmäßigen Entwurmung: die regelmäßige Kotuntersuchung, und nur behandeln, wenn etwas gefunden wird. Das klingt vernünftig und wird zunehmend angeboten.

Sie hat allerdings eine wichtige Einschränkung: Ein negativer Befund beweist nicht, dass der Hund wurmfrei ist. Drei Gründe:

Wer diesen Weg gehen will, braucht deshalb eine Sammelprobe über drei Tage und die Bereitschaft, sie in demselben Rhythmus einzusenden, in dem sonst entwurmt würde. Gerade bei Welpen unter sechs Monaten raten die Empfehlungen weiterhin zur planmäßigen Behandlung.

Welche Würmer überhaupt vorkommen

WurmWie er hineinkommtBesonderheit
Spulwurmvorgeburtlich, Muttermilch, Eier aus der Umweltder wichtigste beim Welpen; auf Menschen übertragbar
HakenwurmMuttermilch, Haut, Maulkann bei starkem Befall Blutarmut auslösen
Bandwurmverschluckte Flöhe, rohes Fleisch, Aassichtbare Glieder am After oder im Kot
PeitschenwurmEier aus der Umwelthartnäckig, verursacht chronischen Durchfall
LungenwurmSchnecken, auch der SchleimHusten, Blutungsneigung – nicht jedes Mittel wirkt

Giardien sind keine Würmer. Sie werden ständig damit verwechselt, sind aber einzellige Parasiten – eine Wurmkur wirkt gegen sie nicht. Sie sind bei Welpen häufig und äußern sich durch hartnäckigen, oft schleimigen Durchfall. Wenn eine Entwurmung nichts bringt, ist das eine der ersten Spuren, siehe Durchfall bei Welpen.

Bei Rohfütterung steigt das Bandwurmrisiko. Was dabei zu beachten ist, steht unter Welpen barfen.

Woran du einen Befall erkennst – und woran nicht

Das Unangenehme vorweg: Ein leichter bis mittlerer Befall macht oft gar keine Symptome. Genau deshalb wird nach Plan behandelt und nicht nach Verdacht.

Anzeichen, wenn es doch auffällt:

Warum das auch dich betrifft

Der Hundespulwurm ist eine Zoonose – er kann auf Menschen übergehen. Das ist der eigentliche Grund für die strengen Empfehlungen.

Ein befallener Welpe kann enorme Mengen Eier ausscheiden: In der Fachliteratur sind über 50.000 Eier pro Gramm Kot dokumentiert. Diese Eier sind in der Umwelt monatelang, unter günstigen Bedingungen jahrelang überlebensfähig. Zu den am häufigsten belasteten Orten zählen Kinderspielplätze und Sandkästen.

Beim Menschen schlüpfen die Larven zwar, werden aber nicht erwachsen. Sie wandern stattdessen durch das Gewebe – Larva migrans. Meist bleibt das unbemerkt; in seltenen Fällen erreichen Larven Leber, Lunge oder Auge, wo sie ernsthaften Schaden anrichten können. Betroffen sind überwiegend kleine Kinder, weil sie mit erdigen Händen an den Mund fassen.

Das Praktische daraus: Händewaschen nach dem Spielen, den Kot des Welpen konsequent aufsammeln, und Kinder nicht das Gesicht des Welpen ablecken lassen. Mehr dazu unter Welpen und Kinder.

Was nicht wirkt

Rund um die Entwurmung kursieren viele Hausmittel. Keines davon hat eine belastbare Wirksamkeit gegen Würmer:

Knoblauch. Wirkt nicht – und gehört zu den Zwiebelgewächsen, die die roten Blutkörperchen schädigen. Siehe Giftige Lebensmittel für Welpen.

Kokosöl, Karotten, Kürbiskerne, Apfelessig. Unschädlich, aber wirkungslos.

Kräuter- und „Wurmkuren” aus dem Internet. Sie ersetzen kein zugelassenes Arzneimittel. Wer darauf setzt, behandelt nicht – er lässt es nur so aussehen.

Das heißt nicht, dass man wahllos entwurmen soll. Der sinnvolle Weg ist, nach Schema zu behandeln und ab dem siebten Monat das Risiko einzuschätzen – nicht, die Behandlung durch etwas Unwirksames zu ersetzen.

Wie oft nach dem sechsten Monat?

Ab dann richtet sich der Rhythmus nach der Lebensweise:

Besprich die Einstufung mit deiner Tierarztpraxis. Ein Hund, der auf jedem Spaziergang Mäuse fängt, gehört in eine andere Gruppe als einer, der nie von der Leine kommt.

Welpen entwurmen FAQ

Ab wann werden Welpen entwurmt?

Mit zwei Wochen, dann alle zwei Wochen bis zwei Wochen nach der letzten Muttermilch. Die ersten Behandlungen macht der Züchter.

Wie oft muss ich meinen Welpen entwurmen?

Nach dem Absetzen monatlich bis zum sechsten Lebensmonat. Danach je nach Risiko, beim normalen Familienhund mindestens viermal im Jahr.

Wirkt eine Wurmkur vorbeugend?

Nein. Sie wirkt nur etwa ein bis drei Tage und tötet, was gerade da ist. Am Tag darauf kann sich der Hund neu anstecken.

Reicht eine Kotprobe statt der Wurmkur?

Bei Welpen unter sechs Monaten wird weiterhin zur planmäßigen Behandlung geraten. Ein negativer Befund schließt einen Befall nicht sicher aus, weil Würmer unregelmäßig Eier ausscheiden und junge Würmer noch keine.

Können sich Menschen bei einem Welpen anstecken?

Ja, mit dem Hundespulwurm. Die Larven wandern beim Menschen durch das Gewebe. Kleine Kinder sind am stärksten gefährdet. Händewaschen und konsequentes Aufsammeln des Kots sind der wirksamste Schutz.

Hilft Knoblauch gegen Würmer?

Nein. Er wirkt nicht und ist für Hunde schädlich.

Mein Welpe hat nach der Wurmkur Durchfall – ist das normal?

Leichte Verdauungsbeschwerden für ein, zwei Tage kommen vor. Anhaltender, wässriger oder blutiger Durchfall gehört zum Tierarzt – dann steckt meist etwas anderes dahinter, zum Beispiel Giardien.

Sind Giardien Würmer?

Nein, Einzeller. Eine Wurmkur wirkt nicht gegen sie; sie brauchen eine eigene Behandlung.

Zusammenfassung

Entwurmen ist beim Welpen keine Vorsichtsmaßnahme, sondern eine Behandlung: Praktisch jeder Welpe kommt bereits infiziert zur Welt, weil die Spulwurmlarven vorgeburtlich und über die Milch weitergegeben werden.

Das Schema ist einfach: mit zwei Wochen beginnen, alle zwei Wochen bis zwei Wochen nach dem Absetzen, danach monatlich bis zum sechsten Monat. Die ersten Runden übernimmt der Züchter – lass dir die Daten schriftlich geben.

Und der Satz, der am meisten Missverständnisse auflöst: Eine Wurmkur schützt nicht. Sie wirkt ein bis drei Tage. Wer das weiß, versteht auch, warum bei Welpen so oft behandelt wird – und warum Händewaschen und Kot aufsammeln mindestens genauso wichtig sind.