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Zecken und Flöhe beim Welpen

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Zecken und Flöhe beim Welpen
Hohes Gras ist der Ort, an dem Zecken auf einen Wirt warten

Zwei Parasiten, die ständig in einen Topf geworfen werden

Zecken und Flöhe stehen auf jeder Packung nebeneinander, und viele Halter behandeln sie gedanklich als dasselbe Problem. Das sind sie nicht – und die Unterschiede bestimmen, was du tun musst.

Bei Zecken zählt die Zeit. Der Schaden entsteht nicht durch den Stich, sondern durch Erreger, die erst nach Stunden übertragen werden. Wer täglich absucht, verhindert das meiste.

Bei Flöhen zählt die Wohnung. Der Floh auf dem Hund ist die Spitze des Problems; der Rest sitzt in Teppich, Körbchen und Sofaritze. Wer nur den Hund behandelt, hat in zwei Wochen dieselben Flöhe wieder.

Auf einem Blick

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Wann Zecken aktiv sind

Die verbreitete Vorstellung von einer Saison zwischen Frühjahr und Herbst stimmt nicht mehr. Zecken werden ab etwa sieben Grad aktiv, und solche Tage gibt es in milden Wintern auch im Januar.

Dazu kommt, dass sich neben dem Gemeinen Holzbock in Deutschland die Auwaldzecke ausgebreitet hat. Sie ist ausgerechnet in den kühleren Monaten unterwegs – vom Spätwinter bis ins Frühjahr und wieder im Herbst – und sie ist die Überträgerin der Babesiose.

Praktisch heißt das: Absuchen ist eine Ganzjahresaufgabe, der Schutz durch Mittel richtet sich nach dem Wetter, nicht nach dem Kalender.

Was Zecken übertragen – und wie schnell

Das ist der entscheidende Punkt, und er wird selten konkret gemacht:

KrankheitÜbertragung etwa abAnzeichen
Borreliose16 StundenLahmheit, die das Bein wechselt, Fieber, Mattigkeit
Anaplasmose24 bis 36 StundenFieber, Mattigkeit, Gelenkschmerzen
Babesioseetwa 48 Stundenhohes Fieber, dunkler Urin, Blutarmut

Daraus folgt die wichtigste Maßnahme überhaupt: Such deinen Welpen jeden Abend ab. Eine Zecke, die nach dem Spaziergang gefunden und entfernt wird, hat in aller Regel noch nichts übertragen.

Beim Absuchen die Stellen nicht vergessen, an denen die Haut dünn ist: Kopf, Ohren und Ohrinnenseiten, Hals, Achseln, Leisten, zwischen den Zehen.

Gewöhne deinen Welpen früh daran, überall angefasst zu werden – das gehört zu den Dingen, die man in den ersten Wochen nebenbei üben kann und später mühsam nachholen muss. Siehe Prägephase und Sozialisierung.

Eine Zecke richtig entfernen

Was du brauchst: Zeckenzange, Zeckenhaken oder eine feine Pinzette. Übe den Umgang, bevor die erste Zecke sitzt – das steht auch in der Notfallapotheke für Welpen.

So geht es: möglichst hautnah ansetzen, den Zeckenkörper dabei nicht quetschen, und gleichmäßig gerade herausziehen. Mit einem Haken darf man dabei drehen, mit einer Zange nicht ruckeln.

Was du auf keinen Fall tust: Öl, Klebstoff, Nagellack oder Alkohol draufgeben. Die Zecke erbricht dann in die Wunde, und genau damit gelangen Erreger schneller hinein. Auch Quetschen hat diesen Effekt.

Wenn der Kopf steckenbleibt, ist das unangenehm, aber kein Notfall. Der Körper stößt den Rest meist selbst ab. Bleibt die Stelle über Tage entzündet, dick oder schmerzhaft, gehört sie angesehen.

Danach die Stelle markieren – ruhig mit einem Datum im Kalender. Wenn dein Welpe zwei bis vier Wochen später Fieber oder wechselnde Lahmheit zeigt, ist diese Notiz für die Praxis Gold wert.

Flöhe: das Problem sitzt in der Wohnung

Hier liegt der größte Irrtum. Wer Flöhe auf dem Hund sieht, sieht ungefähr fünf Prozent des Befalls. Die restlichen 95 Prozent sind Eier, Larven und Puppen – im Körbchen, im Teppich, in den Sofaritzen, unter Fußleisten.

Floheier fallen aus dem Fell und entwickeln sich dort in warmer, geschützter Umgebung weiter. Deshalb ist Winter keine Schutzzeit: Eine geheizte Wohnung sind ideale Bedingungen.

Und ein Detail, das für Missverständnisse sorgt: Der häufigste Floh auf deutschen Hunden ist der Katzenfloh. Man braucht also keine Katze, um ihn zu bekommen.

Woran du Flöhe erkennst

Einen einzelnen Floh im Fell zu sehen ist Glückssache. Zuverlässiger sind zwei einfache Prüfungen:

Der Flohkamm. Ein sehr engzinkiger Kamm, gegen den Strich durch das Fell gezogen, vor allem an Rücken, Schwanzansatz und Bauch.

Der Flohkot-Test. Das ausgekämmte Material auf ein angefeuchtetes weißes Papiertuch geben. Löst sich ein rotbrauner Hof, war es Flohkot – der besteht aus verdautem Blut. Bleibt es einfach schwarz, war es Schmutz.

Weitere Anzeichen: häufiges Kratzen und Knabbern besonders am Schwanzansatz, kleine Krusten, kahle Stellen. Manche Hunde entwickeln eine Flohspeichelallergie – dann genügen wenige Stiche für eine heftige Hautreaktion.

Was bei einem Flohbefall zu tun ist

Vier Schritte, und keiner davon ist optional:

1. Alle Tiere im Haushalt behandeln, nicht nur den betroffenen – auch die Katze, auch das Kaninchen, wenn ein zugelassenes Mittel existiert.

2. Die Umgebung mitbehandeln. Decken, Körbchen und Kuscheltiere bei 60 Grad waschen. Was das nicht verträgt, für mehrere Tage einfrieren.

3. Gründlich saugen, täglich, mehrere Wochen lang – Teppiche, Polster, Fußleisten, Ritzen. Den Beutel danach draußen entsorgen. Die Erschütterung hilft sogar: Sie lockt Puppen zum Schlüpfen, und geschlüpfte Flöhe sind behandelbar, Puppen praktisch nicht.

4. Dranbleiben. Flohpuppen können Wochen bis Monate überdauern. Deshalb tauchen zwei Wochen nach einer scheinbar erfolgreichen Behandlung neue Flöhe auf – das ist kein Versagen des Mittels, sondern der normale Verlauf. Plane mindestens drei Monate ein.

Und dann die Wurmkur. Flöhe übertragen den Gurkenkernbandwurm – der Hund verschluckt beim Knabbern einen befallenen Floh. Nach jedem Flohbefall gehört deshalb eine Entwurmung dazu, siehe Welpen entwurmen.

Welche Mittel für Welpen – und ab wann

Hier ist der Welpe wirklich ein Sonderfall, und deshalb beantwortet diese Frage deine Tierarztpraxis und nicht das Regal im Baumarkt.

Fast alle Präparate haben eine doppelte Untergrenze: ein Mindestalter und ein Mindestgewicht. Die modernen Tabletten sind meist ab acht Wochen und etwa 1,3 bis 2,8 Kilogramm zugelassen, viele Spot-ons ab acht Wochen, manche erst ab der zwölften Woche und zwei Kilogramm. Ein sehr kleiner Welpe fällt damit durch jedes Raster – dann bleibt vorerst nur konsequentes Absuchen.

Die Packungsbeilage ist verbindlich, nicht die Empfehlung aus der Hundegruppe. Und ein Mittel für einen erwachsenen Hund lässt sich nicht einfach teilen.

Lebst du mit einer Katze zusammen, sag das ausdrücklich. Manche Wirkstoffe in Hundepräparaten – Permethrin zum Beispiel – sind für Katzen hochgiftig, und zwar auch dann, wenn die Katze das Mittel nie bekommen hat, sondern nur am behandelten Hund schmust.

Was nicht wirkt

Für keines dieser Mittel gibt es einen belastbaren Wirksamkeitsnachweis:

Bernsteinketten. Weder mechanisch noch elektrostatisch belegt. Dazu ein Strangulationsrisiko beim Spielen.

Kokosöl. Wird oft empfohlen, die Wirkung ist nicht belegt – und es macht das Fell fettig, siehe Den Welpen baden.

Knoblauch. Wirkt nicht und schädigt die roten Blutkörperchen, siehe Giftige Lebensmittel für Welpen.

Ultraschall-Anhänger, Schwarzkümmelöl, Teebaumöl. Ohne Nachweis; Teebaumöl ist für Hunde und Katzen obendrein giftig.

Das heißt nicht, dass jeder Hund ganzjährig ein chemisches Mittel braucht. Es heißt, dass die Alternative zum Mittel das tägliche Absuchen ist – und nicht ein Anhänger.

Zecken und Flöhe beim Welpen FAQ

Ab wann darf ein Welpe ein Zeckenmittel bekommen?

Je nach Präparat ab etwa acht Wochen und einem Mindestgewicht von ein bis zwei Kilogramm, manche erst später. Die Packungsbeilage entscheidet – frag in deiner Tierarztpraxis nach einem für dein Alter und Gewicht zugelassenen Mittel.

Wie schnell muss eine Zecke entfernt werden?

So schnell wie möglich. Borrelien können nach etwa 16 Stunden übertragen werden, Babesien nach rund 48. Tägliches Absuchen deckt die kritische Zeit ab.

Soll ich Öl auf die Zecke geben?

Nein, niemals. Die Zecke erbricht dabei in die Wunde und bringt Erreger schneller hinein. Gerade herausziehen, ohne zu quetschen.

Der Kopf ist steckengeblieben – was nun?

Kein Notfall. Der Körper stößt den Rest meist ab. Bei anhaltender Rötung, Schwellung oder Schmerz in der Praxis ansehen lassen.

Warum habe ich nach der Flohbehandlung wieder Flöhe?

Weil 95 Prozent des Befalls in der Wohnung sitzen und Puppen monatelang überdauern können. Das ist der normale Verlauf, kein Versagen. Umgebung mitbehandeln und mindestens drei Monate dranbleiben.

Muss ich nach Flöhen entwurmen?

Ja. Flöhe übertragen den Gurkenkernbandwurm, und der Hund verschluckt sie beim Knabbern.

Helfen Bernsteinketten oder Kokosöl gegen Zecken?

Nein, für beides gibt es keinen Wirksamkeitsnachweis. Bernsteinketten bergen zusätzlich ein Strangulationsrisiko.

Gibt es noch eine Zeckensaison?

Kaum. Zecken werden ab etwa sieben Grad aktiv, und die Auwaldzecke ist gerade in den kühleren Monaten unterwegs. Absuchen gehört ins ganze Jahr.

Zusammenfassung

Bei Zecken ist die wirksamste Maßnahme banal und kostenlos: jeden Abend absuchen. Borrelien brauchen rund 16 Stunden, Babesien etwa 48 – eine Zecke, die am selben Abend entfernt wird, hat meistens nichts übertragen. Entfernt wird hautnah und gerade heraus, ohne Öl und ohne Quetschen.

Bei Flöhen ist der Fehler fast immer derselbe: nur den Hund zu behandeln. Da 95 Prozent des Befalls in Teppich und Körbchen sitzen und Puppen monatelang überdauern, braucht es Waschen bei 60 Grad, tägliches Saugen und Geduld über Monate. Und danach eine Wurmkur, weil Flöhe Bandwürmer übertragen.

Beim Welpen kommt eine Einschränkung dazu, die man ernst nehmen muss: Nicht jedes Mittel ist für sein Alter und Gewicht zugelassen. Das ist eine Frage für die Tierarztpraxis – und bis dahin die Bürste und die eigenen Hände.