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Bernhardiner Welpen

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Bernhardiner Welpen
Bernhardiner Welpe sitzt auf dem Rasen

Bernhardiner Welpen – aus einem kleinen Hund wird sehr schnell sehr viel Hund

Der Bernhardiner ist vermutlich die Hunderasse, die jeder kennt. Er gehört zu den schwersten Hunden der Welt, ist ruhig, gutmütig und im Umgang erstaunlich sanft.

Was viele unterschätzen: Zwischen dem Welpen, der auf den Arm passt, und dem ausgewachsenen Hund liegen bis zu 115 Kilogramm Unterschied. Diese Zunahme passiert in etwa 18 Monaten. Was du in dieser Zeit tust – und vor allem, was du lässt –, bestimmt, wie gut der Hund mit sieben Jahren noch läuft.

Deshalb steht in diesem Beitrag das erste Lebensjahr im Mittelpunkt.

UrsprungslandSchweiz
Größe70 bis 90 cm (Rüden), 65 bis 80 cm (Hündinnen)
Gewichtbis zu 120 kg (Rüden), bis zu 110 kg (Hündinnen)
Alter8 bis 10 Jahre
FellKurzhaar (Stockhaar) oder Langhaar
Farbeweiß-rot
VerwendungBegleit-, Wach- und Rettungshund
Klassifikation F.C.I.Gruppe 2, Sektion 2.2 Berghunde. Ohne Arbeitsprüfung.

Das erste Jahr: langsam ist das Ziel

Bei Riesenrassen wächst das Skelett schneller, als die Gelenke belastbar sind. Ein Bernhardinerwelpe ist mit vier Monaten oft schon schwerer als ein ausgewachsener Beagle – hat aber noch weiche Wachstumsfugen und kaum tragende Muskulatur.

Drei Dinge entscheiden in dieser Phase:

Schlankheit. Ein Riesenwelpe soll eher dünn als rund aussehen. Jedes Kilo zu viel drückt auf Gelenke, die noch nicht fertig sind. Du solltest die Rippen unter leichtem Druck immer fühlen können.

Kein Überangebot an Kalzium. Große Rassen können überschüssiges Kalzium im Welpenalter nicht ausreichend regulieren. Zusätzliche Kalziumgaben oder Mineralpulver „für den Knochenaufbau” richten hier Schaden an, statt zu helfen. Ein vernünftiges Futter deckt den Bedarf vollständig ab.

Maßvolle Bewegung. Keine Treppen in den ersten Monaten, kein Springen aus dem Auto, kein Toben auf glattem Boden, kein Fahrradfahren im ersten Jahr. Gleichmäßiges Gehen auf weichem Untergrund baut Muskulatur auf, ohne die Gelenke zu stauchen.

Auf einem Blick

Mehr Grundlagen dazu in unserem Beitrag zur Futtermenge für Welpen.

Bernhardiner Welpe
Ein Riesenwelpe soll eher schlank als kräftig aussehen – das schont die weichen Wachstumsfugen.

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Woher der Bernhardiner kommt

Die Rasse entstand im Hospiz auf dem Großen Sankt Bernhard, einem Passübergang in den Schweizer Alpen. Die Mönche hielten dort ab dem 17. Jahrhundert schwere Hunde als Wach- und Begleittiere – und stellten fest, dass die Tiere Reisende im Schnee zuverlässig fanden.

Der berühmteste von ihnen hieß Barry und lebte um 1800. Ihm werden über vierzig gerettete Menschen zugeschrieben.

Das Fässchen mit Branntwein am Halsband, das auf jedem zweiten Bild zu sehen ist, gab es dagegen nie. Es geht auf ein englisches Gemälde von 1820 zurück und ist reine Erfindung. Alkohol wäre bei Unterkühlung sogar gefährlich gewesen.

Bernhardiner sind beliebte Lawinensuchhunde
Die Rasse entstand im Hospiz auf dem Großen Sankt Bernhard – das Branntwein-Fässchen ist allerdings eine Erfindung.

Der Charakter & das Wesen von Bernhardiner Welpen

Der Bernhardiner ist ein ausgesprochen ruhiger Hund. Er ist friedfertig, nervenstark, kinderlieb und braucht wenig, um zufrieden zu sein. Er bellt selten und geht Konflikten eher aus dem Weg, als sie zu suchen.

Er ist aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein, und meldet Fremde – ohne dabei scharf zu werden. Als reiner Wachhund taugt er kaum, weil ihm die dafür nötige Schärfe fehlt.

Sein Bewegungsbedarf ist für seine Größe überraschend moderat: zwei ruhige Spaziergänge täglich genügen. Was er dagegen dringend braucht, ist frühe Erziehung. Ein 50-Kilo-Junghund, der nicht an lockerer Leine geht, ist für die meisten Menschen körperlich nicht mehr zu halten. Was der Welpe lernt, lernt er rechtzeitig – oder gar nicht mehr.

Und er sabbert. Die schweren Lefzen halten Speichel nicht zurück, besonders nach dem Trinken und bei Wärme. Ein Handtuch in Reichweite gehört zur Grundausstattung.

Gesundheit und Lebenserwartung

Mit 8 bis 10 Jahren ist die Lebenserwartung kurz – das gilt für Riesenrassen allgemein. Neben den bereits genannten Gelenk-, Augen- und Herzthemen solltest du zwei Dinge kennen:

Magendrehung. Große Hunde mit tiefem Brustkorb sind besonders gefährdet. Füttere zwei bis drei kleinere Portionen statt einer großen und lass deinen Hund nach dem Fressen eine Stunde ruhen. Aufgeblähter, harter Bauch mit erfolglosem Würgen ist ein Notfall – sofort in die Klinik, nicht abwarten.

Knochenkrebs. Das Osteosarkom tritt bei Riesenrassen deutlich häufiger auf als bei kleinen Hunden. Anhaltendes Lahmen ohne erkennbaren Anlass gehört abgeklärt.

Hitze. Das dichte Fell stammt aus dem Hochgebirge. Bei Sommerhitze braucht der Bernhardiner Schatten, Ruhe und Spaziergänge in den kühlen Tagesstunden.

Dazu kommen die Routinen jedes ersten Jahres – Welpen impfen und Welpen entwurmen – und bei dieser Größe der Blick auf die Gewichtskurve.

Kurzhaar oder Langhaar?

Beide Varianten sind rassetypisch und stammen aus demselben Zuchtbestand. Der Unterschied ist vor allem Pflegeaufwand:

Der Kurzhaar-Bernhardiner hat dichtes Stockhaar und verliert ganzjährig Haare, braucht aber nur regelmäßiges Bürsten.

Der Langhaar-Bernhardiner hat längeres, teils leicht gewelltes Fell mit Befederung an Rute und Läufen. Er nimmt im Winter mehr Schnee und Schmutz mit und sollte mehrmals wöchentlich durchgebürstet werden, besonders hinter den Ohren und an den Hosen.

Auf Wesen und Gesundheit hat die Fellvariante keinen Einfluss.

Bernhardiner FAQ

Wie viel frisst ein Bernhardiner?

Ein ausgewachsener Hund kommt je nach Aktivität auf etwa zwei bis drei Prozent seines Körpergewichts täglich – bei 90 kg sind das erhebliche Mengen. Plane die Futterkosten realistisch ein, bevor du dich entscheidest.

Ist der Bernhardiner ein Familienhund?

Ja, und ein sehr guter. Er ist geduldig und gutmütig. Wichtig ist, dass Kinder lernen, ihm auszuweichen – ein Hund dieses Gewichts stößt beim Umdrehen leicht jemanden um, ohne es zu wollen.

Wie viel Platz braucht er?

Weniger, als man denkt – er liegt die meiste Zeit. Wichtiger als die Quadratmeter sind ebenerdiger Zugang ohne viele Treppen und ein Auto, in das er ohne Sprung einsteigen kann.

Was unterscheidet ihn vom Leonberger?

Der Leonberger ist leichter, beweglicher und deutlich wasserbegeisterter – er wurde für die Wasserrettung eingesetzt. Er sabbert weniger, lebt aber im Schnitt noch kürzer und hat eigene, genetisch testbare Erkrankungen.

Zusammenfassung

Der Bernhardiner ist ein ruhiger, gutmütiger Riese mit erstaunlich moderatem Bewegungsbedarf – und einem ersten Lebensjahr, das keine Fehler verzeiht. Schlank halten, nicht zusätzlich mineralisieren, Treppen und Sprünge vermeiden und die Erziehung erledigen, solange der Hund noch tragbar ist: Das sind die vier Punkte, die über die zweite Lebenshälfte entscheiden.