Ein Welpe zu Weihnachten? Warum der Termin meist der falsche ist
Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Die Idee ist schön, der Termin ist es nicht
Ein Welpe unterm Weihnachtsbaum ist ein Bild, das sich seit Jahrzehnten hält. Die Kinder strahlen, der Hund ist winzig, jemand filmt es.
Der Einwand dagegen wird meistens moralisch geführt: Ein Tier ist kein Geschenk. Das stimmt, greift aber zu kurz – denn eine gut überlegte Anschaffung bleibt auch dann richtig, wenn sie im Dezember stattfindet.
Der eigentliche Einwand ist praktischer Natur: Die Weihnachtswoche ist der ungünstigste Zeitpunkt des Jahres, um einen Welpen einziehen zu lassen. Und zwar aus lauter Gründen, die nichts mit Moral zu tun haben.
Auf einem Blick
- Der Einzug ist der stressigste Tag im Leben eines Welpen
- Weihnachten bedeutet Besuch, Lärm und wechselnde Abläufe – genau das Gegenteil von dem, was er braucht
- Tierärzte und Hundeschulen sind über die Feiertage geschlossen
- Silvester folgt sechs Tage später
- die Wohnung ist voller Gefahren: Kerzen, Lametta, Schokolade, Lilien
- besser: im Dezember schenken, im Januar einziehen lassen
Was ein Welpe in der ersten Woche braucht
Der Umzug in ein neues Zuhause ist für einen acht Wochen alten Hund die größte Umstellung seines bisherigen Lebens. Er verliert Mutter, Geschwister, Gerüche, Geräusche und jeden vertrauten Ablauf auf einmal.
Was er dann braucht, ist eine sehr kurze Liste: Ruhe, wenige Menschen, immer gleiche Abläufe, viel Schlaf. Siehe Der Welpe zieht ein und Wie viel Schlaf braucht ein Welpe?
Und genau das bietet die Weihnachtswoche nicht.
Was an Weihnachten dagegenspricht
Besuch. Tante, Onkel, Großeltern, Nachbarn – und alle wollen den Welpen sehen, anfassen, hochheben, fotografieren. Für einen Hund, der gerade angekommen ist, ist das Reizüberflutung im Reinformat, siehe Reizüberflutung bei Welpen. Die Folgen zeigen sich nicht am selben Abend, sondern in den Wochen danach: Übermüdung, Beißen, Unsicherheit bei Besuch.
Kinder mit Ferien. Gut gemeint und trotzdem schwierig. Ein Welpe, der von morgens bis abends bespielt wird, kommt nicht zur Ruhe. Und ein übermüdeter Welpe beißt – was Kinder wiederum verschreckt, siehe Welpen und Kinder.
Kein Tierarzt. Zwischen dem 24. Dezember und dem 2. Januar sind die meisten Praxen geschlossen. Beim Welpen ist gerade in den ersten Tagen mit Durchfall zu rechnen, weil Futter, Wasser und Stress sich ändern. Du bist dann auf den Notdienst angewiesen – mit langer Anfahrt und deutlich höheren Kosten.
Keine Hundeschule, keine Welpengruppe. Die Prägephase läuft weiter, unabhängig vom Kalender. Zwei verlorene Wochen in dieser Zeit sind mehr wert als zwei verlorene Wochen im März.
Der Zeitplan der Züchter. Ein seriöser Züchter gibt Welpen nicht unter der Bedingung ab, dass sie pünktlich zum 24. da sind. Wer das anbietet, richtet sein Geschäft nach dem Fest aus – kein gutes Zeichen, siehe Seriöse Hundezüchter erkennen.
Und dann Silvester. Sechs Tage nach Heiligabend knallt es draußen stundenlang. Ein Welpe, der gerade erst angekommen ist und seinen Menschen noch nicht kennt, erlebt diese Nacht ohne jeden Rückhalt. Geräuschangst, die sich dort festsetzt, begleitet viele Hunde ihr Leben lang – Silvester und Geräuschangst.

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Die Wohnung ist im Dezember gefährlicher als sonst
Ein Punkt, der selten auf der Liste steht, obwohl die Tierkliniken ihn kennen.
- Schokolade. Das Theobromin darin ist für Hunde giftig, und im Dezember liegt sie überall herum – Adventskalender, Teller auf dem Couchtisch, Anhänger am Baum. Was zu tun ist, steht in Schokolade gefressen, inklusive Rechner für die Menge.
- Lametta und Geschenkband. Fadenförmige Fremdkörper sind im Darm besonders gefährlich, weil sie ihn aufreihen können. Das ist ein chirurgischer Notfall.
- Kerzen. Eine Rute in Schwanzhöhe und eine Adventskerze passen nicht zusammen.
- Christbaumkugeln. Zerbeißt ein Welpe eine, schneidet er sich Maul und Zunge.
- Weihnachtsstern, Mistel, Amaryllis, Christrose. Alle giftig. Besonders gefährlich sind Lilien in Sträußen.
- Weihnachtsessen. Gans, Knödel, Soße, Weihnachtsgebäck mit Rosinen, Nüssen und Xylit. Rosinen können bei Hunden akutes Nierenversagen auslösen, Xylit einen lebensbedrohlichen Blutzuckerabfall. Eine vollständige Liste steht in Giftige Lebensmittel für Welpen.
- Der Baum selbst. Das Wasser im Ständer wird gern getrunken – es enthält Harz und oft Frischhaltemittel.
Die Liste gilt auch für Hunde, die schon länger im Haushalt leben. Für einen Welpen, der alles ins Maul nimmt, ist sie ernster.
Die bessere Lösung
Es gibt einen Weg, der die schöne Idee behält und die Probleme weglässt.
Schenke die Entscheidung, nicht den Hund.
Unter den Baum legst du:
- ein Foto des Welpen oder des Wurfs, beim Züchter aufgenommen
- den Termin, an dem ihr ihn abholt – Mitte oder Ende Januar
- die Erstausstattung: Halsband, Leine, Näpfe, Decke, ein Spielzeug (siehe Welpen-Erstausstattung mit Checkliste)
- einen Gutschein für die Welpenschule
Das nimmt der Sache nichts. Für Kinder ist die Vorfreude oft der schönere Teil – und die drei Wochen bis zum Einzug sind genau die Zeit, in der man die Wohnung vorbereitet und die letzten Fragen klärt.
Der Januar ist als Einzugstermin obendrein ideal: Die Feiertage sind vorbei, Silvester ist überstanden, die Tierärzte haben geöffnet, die Welpengruppen starten neu, und es ist ruhig.
Wenn es doch Weihnachten sein muss
Manchmal liegt der Wurftermin eben so, und der Züchter gibt die Welpen im Dezember ab. Dann gilt:
- Abholen vor oder nach den Feiertagen, nicht am 23. oder 24. Zwei Wochen davor oder zwei Wochen danach macht den Unterschied.
- Weihnachten klein halten. Kein großes Fest im ersten Jahr, oder das Fest findet woanders statt und der Hund bleibt mit einer Person zu Hause.
- Eine Regel für alle Gäste, vor dem Besuch ausgesprochen: Der Hund kommt zu den Menschen, nicht umgekehrt. Wer schläft, ist unsichtbar.
- Einen Rückzugsort einrichten, in einem Raum, der nicht zum Festbetrieb gehört.
- Den Baum sichern – oben aufhängen, unteres Drittel frei lassen, kein Lametta, keine Kerzen, Ständer abdecken.
- Notdienst heraussuchen, Nummer ans Telefon. Und die Notfallapotheke vorher auffüllen.
- Silvester vorbereiten, auch wenn nur eine Woche bleibt. Rollläden zu, Radio an, früh Gassi, immer angeleint.
Und der Satz vom Geschenk
„Ein Tier ist kein Geschenk“ stimmt in der Sache, wird aber oft falsch verstanden. Das Problem ist nicht die Schleife. Das Problem ist die Überraschung.
Ein Hund, den sich alle Beteiligten gewünscht, gemeinsam ausgesucht und durchgerechnet haben, ist eine gute Entscheidung – ob nun zu Weihnachten oder im Mai. Ein Hund, den jemand bekommt, ohne gefragt worden zu sein, ist es nicht, und zwar an 365 Tagen im Jahr.
Was vorher geklärt sein will – Zeit, Kosten, Betreuung, Rasse –, steht in Welcher Welpe passt zu mir? und in Kostenfaktor Hund.
Zusammenfassung
Gegen den Welpen zu Weihnachten spricht weniger die Moral als der Kalender: Die Feiertage bringen Besuch, Lärm und wechselnde Abläufe, während ein frisch eingezogener Welpe genau das Gegenteil braucht. Dazu kommen geschlossene Tierarztpraxen, pausierende Welpengruppen, eine Wohnung voller giftiger und verschluckbarer Dinge – und sechs Tage später Silvester. Die bessere Lösung ist, die Entscheidung zu verschenken statt den Hund: Foto, Abholtermin im Januar, Erstausstattung, Gutschein für die Hundeschule. Muss es doch der Dezember sein, dann nicht am 23., mit kleinem Fest, klaren Regeln für Gäste, gesichertem Baum und vorbereiteter Silvesternacht.




