Hilfe, mein Welpe haart!
Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Mein Welpe haart – wann das normal ist
Haaren ist kein Problem, sondern Biologie. Ein Hund erneuert sein Fell kontinuierlich, und zweimal im Jahr tut er das gründlich.
Beim Welpen kommt eine Besonderheit dazu: Zwischen etwa dem vierten und zwölften Lebensmonat wechselt er vom weichen Welpenfell zum festeren Erwachsenenhaar. In dieser Zeit fällt deutlich mehr an als später – und bei langhaarigen Rassen neigt das Fell dann besonders zum Verfilzen.
Die Frage ist also weniger, ob dein Welpe haart, sondern ob die Menge zum Felltyp passt und ob Anzeichen dazukommen, die nicht dazugehören.
Auf einem Blick
- zweimal jährlich Fellwechsel, beim Welpen zusätzlich der Haarwechsel
- wie stark ein Hund haart, entscheidet der Felltyp, nicht die Größe
- „haart nicht” heißt immer: muss dafür geschnitten oder getrimmt werden
- kahle Stellen sind kein Haaren – die gehören zum Tierarzt
Wie stark welcher Felltyp haart
Kurzhaar ohne Unterwolle – Dobermann, Weimaraner, Rhodesian Ridgeback: haart mäßig und ganzjährig. Die kurzen, harten Haare bohren sich allerdings in Textilien und sind schwer zu entfernen.
Kurzes Stockhaar mit Unterwolle – Labrador, Rottweiler, die Sennenhunde: haart ganzjährig deutlich und zweimal im Jahr sehr stark.
Langhaar mit dichter Unterwolle – Golden Retriever, Berner Sennenhund, Husky, Zwergspitz: haart ganzjährig und wirft zweimal jährlich die komplette Unterwolle ab. Beim Husky ist das der berüchtigtste Fellwechsel überhaupt.
Rauhaar – Schnauzer, Airedale Terrier, Irish Terrier: haart praktisch nicht, weil das abgestorbene Deckhaar im Fell hängen bleibt. Dafür drei bis vier Trimmtermine im Jahr.
Haar statt Fell – Malteser, Yorkshire Terrier, Pudel: haart kaum, weil das Haar kontinuierlich weiterwächst. Dafür täglich kämmen und alle sechs bis acht Wochen ein Schnitt.
Die Regel dahinter: „Haart nicht” bedeutet nie „pflegeleicht”. Es bedeutet nur, dass die Arbeit woanders anfällt – bei dir oder beim Hundefriseur.


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Was im Fellwechsel hilft
Täglich bürsten. Das ist der eine Hebel, der wirklich wirkt. Jedes Haar, das in der Bürste landet, landet nicht auf dem Sofa. Bei Rassen mit dichter Unterwolle lohnt ein Unterwollkamm – wichtig ist, bis auf die Haut durchzukommen und nicht nur über die Oberfläche zu fahren.
Nicht scheren. Das ist der häufigste Fehler bei Rassen mit Unterwolle. Das Fell isoliert in beide Richtungen und schützt im Sommer vor Sonne. Geschorenes Deckhaar wächst oft nicht mehr in alter Struktur nach, und die Unterwolle setzt sich stärker durch. Beim Zwergspitz gilt Scheren sogar als möglicher Auslöser für Alopecia X.
Draußen bürsten, wenn es geht.
Gutes Futter. Fell besteht überwiegend aus Eiweiß. Eine Ernährung mit hochwertigen tierischen Proteinen und ausreichend essenziellen Fettsäuren macht im Fellbild einen sichtbaren Unterschied. Mehr dazu unter Futtermenge für Welpen.
Baden hilft nicht. Häufiges Baden entfettet die Haut und kann Schuppen und Juckreiz verstärken. Die meisten Hunde brauchen es fast nie.
Und praktisch: Ein Gummibesen holt Hundehaare aus Teppich und Polster besser heraus als jeder Staubsauger.
Haare in der Wohnung: was praktisch hilft
- Einen festen Liegeplatz mit waschbarer Decke – dort sammelt sich der Großteil
- Gummibesen für Teppich und Polster
- Fusselrolle im Flur, nicht im Schrank
- Staubsauger mit Tierhaardüse
- Autositz abdecken, das spart erheblich Arbeit
- Dunkle Kleidung und helle Hunde vertragen sich nicht – das ist keine Kleinigkeit, wenn du täglich ins Büro gehst
Und die ehrlichste Empfehlung: Wenn Hundehaare in der Wohnung für dich ein echtes Problem wären, berücksichtige das bei der Rassewahl, bevor der Hund einzieht. Siehe Welcher Welpe passt zu mir.
Und zum Thema Allergie
Ein Hinweis, der regelmäßig missverstanden wird: Es gibt keinen allergikerfreundlichen Hund.
Allergien richten sich gegen Eiweiße in Speichel, Hautschuppen und Urin – nicht gegen Haare. Rassen, die wenig haaren, verteilen diese Eiweiße weniger stark in der Wohnung. Sie produzieren sie aber genauso.
Wer empfindlich ist, sollte vorher testen lassen und längeren Kontakt zu einem erwachsenen Hund der gewünschten Rasse suchen – nicht zu einem Welpen, der noch weniger Hautschuppen produziert.
Welpe haart FAQ
Ab wann haart ein Welpe?
Von Anfang an leicht, deutlich stärker beim Wechsel vom Welpen- zum Erwachsenenfell zwischen dem vierten und zwölften Lebensmonat.
Wie oft sollte ich im Fellwechsel bürsten?
Täglich, und bei Rassen mit Unterwolle bis auf die Haut durch – nicht nur über die Oberfläche.
Darf ich meinen Hund scheren, damit er weniger haart?
Bei Rassen mit Unterwolle nicht. Das Fell schützt auch im Sommer, wächst oft nicht mehr in alter Struktur nach und die Unterwolle setzt sich stärker durch.
Welche Hunde haaren am wenigsten?
Rauhaarrassen zum Trimmen und Rassen mit kontinuierlich wachsendem Haar wie Pudel, Malteser und Yorkshire. Dafür fällt dort regelmäßig Schnitt oder Trimmen an.
Wann ist Haarausfall ein Fall für den Tierarzt?
Bei kahlen Stellen, Juckreiz, geröteter Haut oder wenn gleichzeitig Trägheit und Gewichtszunahme auftreten.
Zusammenfassung
Haaren ist normal, und wie stark es ausfällt, entscheidet der Felltyp – nicht die Größe des Hundes. Gegen die Menge hilft vor allem eines: täglich bürsten, bis auf die Haut, und nicht scheren.
Zu unterscheiden davon ist echter Haarverlust: kahle Stellen, Juckreiz, gerötete Haut oder Haarausfall zusammen mit Trägheit. Das ist kein Fellthema, sondern ein Fall für den Tierarzt.




